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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
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244 Dritter Abſchnitt. Der Anbau des Getreides.

geſehen, während der dicht danebenſtehende Spelz faſt völlig roſtfrei war. Genau dasſelbe findet man aber auch bei verſchiedenen Weizen⸗ ſorten(zu Triticum vulgare gehörig), ſo daß auch in dieſer Beziehung dem Spelz ein durchgreifender Vorzug nicht zugeſchrieben werden kann.

Was die Widerſtandsfähigkeit gegen Brand betrifft, ſo vertritt Schwerz die Anſicht, daß dieſe Krankheit bei dem Dinkel nicht ſo ge⸗ wöhnlich iſt, wie bei dem Weizen. Ich will dies im allgemeinen zu⸗ geben, muß aber doch konſtatieren, daß ich im Juli 1877 in der Um⸗ gegend von Meggen am Vierwaldſtätter See ſämtliche Spelzfelder, die ich genauer beſichtigte, in ſchauderhafter Weiſe brandig gefunden habe. Hat ſich der Brand alſo einmal eingeniſtet und man thut nichts da⸗ gegen, ſo fällt ihm der Spelz gerade ſo gut anheim, wie der Weizen.

Da man es nun ferner nur als einen bedingten Vorzug be⸗ trachten kann, daß der Spelz, obſchon er auf richtigem Weizenboden am beſten gedeiht, dennoch einen Boden verträgt, der für Weizen etwas zu leicht oder zu trocken iſt, und daß er ſich mit weniger Dung behilft und weniger alte Kraft erfordert, als der Weizen, ſo bleiben als eigentliche Vorzüge des Spelzes nur übrig, daß er von dem Vogel⸗ fraß auf dem Felde wenig oder nichts leidet, daß er bei der Ernte ein ſchnelleres Einfahren gleich hinter der Senſe geſtattet und ſich auch auf dem Schüttboden, weil die Körner von den Spelzen umhüllt ſind, beſſer hält als der Weizen, was für das feuchte Gebirgsklima aller⸗ dings von Bedeutung iſt.

Der Nachteil, daß der Spelz vor dem Vermahlengegerbt werden muß, um die Körner von den Spelzen zu befreien, iſt nicht ſehr hoch zu veranſchlagen, denn wo die Mühlen mit der erforder⸗ lihen Vorrichtung verſehen ſind, macht das Gerben nur wenig Um⸗ tände.

Bei der Saat benutzt man den Spelz im ungegerbten Zuſtande und muß dementſprechend das Ausſaatquantum ungefähr doppelt ſo ſtark nehmen, als beim Weizen. Man ſäet breitwürfig gewöhnlich 4 5 hl, zuweilen aber auch 7 und ſelbſt 11 hl Veſen pro Hektar, bei Drillſaat, die ſeltener vorkommt, 3 4 hl pro Hektar.

Die am meiſten angebauten Sorten ſind der weißährige und der rotährige Winter⸗Kolbenſpelz, von den allemanniſchen Bauern einfach Weißkorn und Rotkorn genannt. Häufig ſind beide Sorten gemiſcht, und dies hält man für vorteilhaft.(Analogie mit dem buntpolniſchen Weizen.) Beſondere, und zwar weißährige Sorten ſind der Vögeles⸗Dinkel und der Schlegel⸗Dinkel, die ſich beide durch ſtarke Beſtockung auszeichnen, was für den Strohertrag ein Vorteil, für den Körnerertrag eher ein Nachteil iſt. Der Anbau des Spelzes als Sommerfrucht empfiehlt ſich nicht. Will man einen Spelzweizen als Sommerung anbauen, ſo wähle man den Emmer.

Der Ertrag des Spelzes an Körnern oder Veſen iſt auf ge⸗ ringem Boden 25 34 hl pro Hektar; als mittlerer Ertrag ſind 42 bis 64, als ſehr hoher Ertrag 74 96 hl im Gewicht von 39 bis