242 Dritter Abſchnitt. Der Anbau des Getreides.
Pflege.— Hinſichtlich der Pflege(vergl. S. 177) ſind hier nur folgende Beſonderheiten nachzutragen.
Bei Drillſaat kann das Behacken im Frühjahr auf leichterem Boden unterbleiben, darf aber auf ſchwerem, zu Kruſtenbildung ge⸗ neigtem Boden nicht unterlaſſen werden. Namentlich auf Feldern, deren Beſtand durch den Winterfroſt gelichtet worden iſt, zeigt ſich nach der Bearbeitung mit der Handhacke oder mit der Hackmaſchine oft eine überraſchende Beſſerung. Dagegen iſt die Kopfdüngung mit Chileſalpeter bei zu dünnem Beſtande mehr ſchädlich als nützlich, weil die wenigen Pflanzen zu reichlich mit Stickſtoff verſorgt und da⸗ durch der Erkrankung preisgegeben werden.
Bei breitwürfiger Saat wird auf bündigem Boden mit kurzen Zinken geeggt, um die Oberfläche krümelig zu machen und das Unkraut zu zerſtören. Der Zeitpunkt dazu iſt gekommen, wenn der Boden ſoweit abgetrocknet, daß er den Fußtritt des Pferdes erträgt. Auf leichterem Boden werden Diſtel, Rade, Veronica und anderes Unkraut ausgeſtochen und ausgejätet.
Ein Behäufeln des Weizens, wenn er ſich ſchon erhoben hat, iſt ſehr nachteilig. Er treibt dann an den unteren Knoten nicht allein neue Wurzeln, ſondern auch neue Halme und wird zweiwüchſig.
Schädliche Pflanzen und Tiere, ſ. S. 179 des allgemeinen Teils.
Ernte, ſ. S. 125 und S. 205.
Ertrag.— Nach der Zuſammenſtellung des Königlichen Statiſtiſchen Bureaus wird im Preußiſchen Staat eine Mittelernte an Weizen pro Hektar angenommen:
Im Durchſchnitt zu 1567 kg „ Maximum„ 3400„ „ Minimum„ 764 ⸗
Im deutſchen Reiche werden ſich die Zahlen nicht viel anders ſtellen.
In den einzelnen Provinzen differiert der Ertrag beinahe ebenſo ſehr, wie im ganzen Staate. Wir ſtellen nur die Mittelernten von folgenden 5 Provinzen nebeneinander:
Sachſen. Schleswig⸗Holſtein. Poſen. Rheinland. Oſtpreußen.
Durchſchnitt 1926 1855 1484 1424 1340 Maximum 3400 3000 2600 2000 2125 Minimum 800 1100 1200 1000 764
Es überraſcht uns nicht, daß Sachſen und Schleswig⸗Holſtein im Durchſchnitt und im Maximum obenan ſtehen. Dagegen hätten wir nicht erwartet, daß das geprieſene Rheinland im Durchſchnitt ſowohl wie im Maximum und Minimum von dem kalten Poſen, und im Maximum auch von dem bis nach Memel vorgeſchobenen Oſtpreußen übertroffen wird. Die Zahlen lehren, daß das Klima auch im Oſten des Reiches für den Weizenbau genügt, und ſie lehren ferner, daß der beſte Weizenboden in Poſen und Öſtpreußen beſſer ſein muß, als im Rheinland. Wir zweifeln auch nicht daran, daß die öſtlichen


