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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
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238 Dritter Abſchnitt. Der Anbau des Getreides.

Anhang. Bauchiger oder ſog. engliſcher Weizen, Triticum turgidum. 29. Rivetts Grannenweizen. Rivetts bearded. Der ertragsreichſte von allen Weizen, aber auch am ärmſten an Kleber und am wenigſten widerſtandsfähig gegen den Winter. Trotzdem in Deutſchland, namentlich in der Provinz Sachſen unter dem Namen Rauhweizen viel in Kultur. Dies iſt die einzige in Deutſchland gebräuchliche Sorte, die nicht zu dem gemeinen Weizen, Triticum vulgare, gehört. Hier drei Fragen für die Züchter: 1. Verhelfen dem Rauhweizen die auffallend ſtarken Grannen zu ſeinem hohen Ertrage? 2. Sind bei dem Weizen die Grannen als Tranſpirations⸗ und Aſſimilationsorgane gleich wichtig wie bei der Gerſte? 3. Iſt es zweckmäßig, den Kolbenweizen in Bartweizen um⸗ zuzüchten?

Nach dieſer Überſicht wird es dem praktiſchen Landwirt nicht ſchwer werden, für den Fall, daß die bisher angebaute Sorte nicht be⸗ friedigt, eine neue Sorte auszuwählen, um ſie mit der alten in Ver⸗ gleich zu ſtellen. Derartige komperative Verſuche, womöglich mit Maß und Gewicht kontrolliert und vorerſt im kleinen ausgeführt, ſind über⸗ haupt unerläßlich, wenn man ſich ein begründetes und richtiges Urteil darüber verſchaffen will, ob die bisher kultivierte Sorte das Maximum leiſtet, was in quantitativer und qualitativer Beziehung unter den ge⸗ gebenen Verhältniſſen(Boden, Klima, Düngung, Bearbeitung ꝛc.) ge⸗ fordert und erreicht werden kann. Nur hüte man ſich vor Einſchleppung gefährlicher Unkräuter und Krankheiten und ſcheue Mühe und Koſten nicht, das fremde Saatgut durch Vermittlung einer Samenkontroll⸗ ſtation auf die Reinheit beſonders von Stein⸗ und Kaulbrand (Anguillulen) unterſuchen zu laſſen, ſofern man die Unterſuchung nicht ſelbſt vornimmt. Das Einbeizen mit Kupfervitriol ſchützt zwar, wenn es vorſchriftsmäßig ausgeführt wird, doch muß von ſeiten der Land⸗ wirte feſt und unentwegt darauf hingearbeitet werden, daß ſämtliche Handelsware frei iſt von Unkrautſamen und von Krankheitskeimen. Dieſe Forderung gilt ſowohl für die verkaufenden, wie für die kaufenden Landwirte; und es liegt auf der Hand, daß der Samenhändler, der das Geſchäft lediglich vermittelt, ſeinen Abnehmern nur dann Garantie für Reinheit der Ware leiſten kann, wenn die an ihn verkaufenden Landwirte ihm ebenfalls Garantie leiſten.

Ohne Vertrauen im Samenhandel kann man ſich zu vergleichenden Verſuchen mit neuen Sorten nicht entſchließen. Daß aber, wenn dieſe Vorbedingung erfüllt iſt, auch bei dem verpönten Pröbeln etwas heraus⸗ kommt, lehrt ein Blick auf die S. 159 mitgeteilten Verſuche in Rothamſted. Wir finden dort 22 Weizenſorten nebeneinander unter gleichen Verhältniſſen angebaut. Den höchſten Ertrag, dem Maße nach, hat Nr. 2, den niedrigſten hat Nr. 17 geliefert; die betreffenden Zahlen ſind: