234 Dritter Abſchnitt. Der Anbau des Getreides.
Ausnahme, auch von dem unedlen bauchigen Weizen. Der Dinkel, der Emmer und das Einkorn, gleichfalls altertümliche Formen, haben nur untergeordnete und lokale Bedeutung. Ihnen allen weit voran ſteht der gemeine Weizen, die Königin des Feldes.
Der gemeine Weizen, Triticum vulgare.
Haben wir uns für die„Art“ entſchieden, ſo tritt nun die Frage an uns heran: Welche„Sorte“ ſollen wir zum Anbau wählen? Hier wird die Entſcheidung ſchwieriger. Denn einmal iſt der Weizen in viele Spielartenoder Varietäten auseinandergegangen, und überdies hat jede Varietät eine größere oder geringere Zahl von Sorten hervorgebracht. So finden wir in dem Handbuch des Ge⸗
treidebaus von Körnicke und Werner 22 Varietäten und 348 Sorten
aufgezählt und mehr oder minder ausführlich beſchrieben. Danach läßt ſich die Mannigfaltigkeit der Formen und Farben einigermaßen beurteilen.
Zum Glück hat jedoch die Mehrzahl von dieſen Sorten für unſere Verhältniſſe keinen Wert. Selbſt von den Varietäten können wir die meiſten ſtreichen, ſo namentlich die mit bläulich oder ſchwärz⸗ lich gefärbten Ähren, ſowie ferner auch die mit ſamtig behaarten Ähren, weil der pelzartige Überzug der Spelzen das Waſſer wie ein Schwamm einſaugt und feſthält und daher bei regneriſchem Ernte⸗ wetter das„Auswachſen der Körner“ begünſtigt.
Somit kommen nur die Varietäten auf die engere Wahl, bei denen die ÄAhren weißlich oder rötlich gefärbt, und bei denen ſie zugleich kahl, d. h. nicht ſamtig behaart erſcheinen. Zu dieſen Varietäten gehören die Sorten, die für die Kultur Bedeutung haben. Die wichtigeren von ihnen ſind in der folgenden überſicht aufgeführt.
Überſicht der wichtigeren Varietäten und Sorten des gemeinen Weizens.
I. Abteilung: Kolbenweizen.
Ähre unbegrannt.
1. Gruppe: Weißkörnige Kolbenweizen.
Körner weißlich oder hellgelb.
Winterweizen. /1. Frankenſteiner Weizen. Stammt aus Schleſien. Seine Heimat iſt das Hügelland an der oberen Ohlau zwiſchen Münſterberg und Frankenſtein. Dort iſt er ſehr konſtant. Anderswo ſoll er leicht ausarten. Ich lenne aber ein Gut in Weſt⸗ preußen, wo er ſich ſogar verbeſſert hat. Es kommt alſo auf den Boden an, der für dieſen edlen Weizen trocken gelegen, mild und namentlich auch kalk- und talkhaltig ſein muß. Die Körner haben eine ſchöne weiß⸗


