46 Zweiter Abſchnitt. Die Entwicklung der Getreidepflanze.
Die durch Vermittlung der Fermente löslich gemachten und die an ſich ſchon löslichen Stoffe des Endoſperms werden durch das Schildchen(sc Fig. 17) aufgeſaugt und dem Keimling zugeführt. Das Schildchen iſt für dieſen wichtigen Zweck auf der gewölbten, dem Endoſperm zugekehrten Fläche mit unzählichen ſchlauchförmigen Zellen beſetzt. Eine kleine Gruppe dieſer Saugzellen bringt Fig. 27 zur An⸗ ſchauung.
Blicken wir jetzt noch einmal zurück, ſo tritt uns folgender Zu⸗ ſammenhang von Thatſachen entgegen. In dem Mehlkörper des Samenkorns giebt die Mutterpflanze dem Keimling tauſend zierlich gefüllte Speiſekammern mit auf den Weg. Der Inhalt wird durch das Zuſammenwirken von Waſſer, Wärme, Sauerſtoff und Ferment in eine Art Muttermilch umgewandelt. Ein vielſchlauchiger Zapfen ſaugt die Nähr⸗ flüſſigkeit auf und leitet ſie durch eine lange Kette von Zellen nach dem Zentralpunkt des Keimlings, nach dem
Fig. 26. Stärkekörner aus dem Endoſperm eines Fig. 27. Schlauchförmige Saugzellen e
keimenden Maisſamens(Zea Mays), in der Auf⸗ von der Oberhaut des Schildchens sc löſung begriffen. Vergrößerung 800 fach.(Nach des Weizens(Triticum vulgare). Ver⸗ J. Sachs.) gleiche Fig. 17 und Fig. 50. Vergrößerung
etwa 150 fach.
Keimknoten, von wo ſie teils abwärts in das Würzelchen, teils aufwärts in das Hälmchen gezogen oder getrieben wird.—
Der Keimling ſtreckt und dehnt ſich nun, um durch oft wieder⸗ holte Zellteilung allmählich zur ſelbſtändigen Pflanze heranzuwachſen.
Bei normaler Keimung ſchwillt die Wurzelſcheide der Haupt⸗ wurzel zuerſt an. Das Scheidenblatt und das in ihm geborgene zarte Hälmchen regt ſich etwas ſpäter. Durch die mächtige Schwellung der Wurzelſcheide wird die Schale geſprengt, und bald darauf ſchiebt ſich die Hauptwurzel aus der Wurzelſcheide hervor. Bei den übrigen Wurzeln wiederholt ſich derſelbe Vorgang in der Reihenfolge von unten nach oben. Inzwiſchen kommt auch die Spitze des Hälmchens, genauer, des Scheidenblattes zum Vorſchein. Ddieſe Verhältniſſe werden durch Fig. 28 veranſchaulicht, in der die Wurzeln mit wi, we, Wa, w. und wo bezeichnet ſind. In dem Stadium der Entwicklung, das in der Figur dargeſtellt iſt, iſt nur die Hauptwurzel wi ſichtbar; die Wurzeln we und we ſtecken noch in


