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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
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1. Die Keimung. 43

Die Keimung k1 rfolgte mit dem Hervortreten des Würzelchens

bei 40 C. bei 100 C. bei 150 C. bei 19⁰ C.

bei Weizen... in 6 in 3 in 2 in 1 ¾ Tagen Noggen... 4 2 2 1 1 3 Gerſte 6 3 2.. Hafer 7 3371 2271. 2 5 Mais, 1111 3 ¼ 2 5 Hirſe.. 131/4 3 12.8 5

Wie man ſieht, erfolgte die Keimung des Weizens bei 4 C. erſt in 6 Tagen; bei 100 C. ſchon in 3 Tagen; bei 150 C. noch früher, nämlich in 2 Tagen; und am ſchnellſten erfolgte ſie, unter den hier benutzten Temperaturen, bei 19⁰° C., nämlich in 1 ¾ Tagen. Ä uyuidh verhielt es ſich mit den übrigen Getreidearten.

Das Optimum der Keimungstemperatur, das nach Fr. Haber⸗ landt bei der Gerſte bei 20°%C., bei Weizen, Roggen und Hafer bei 25° C. liegt, finden dieſe Getreidearten im Frühjahr und im Herbſt. Im Sommer iſt der Boden zu warm. Die Temperatur der Erdoberfläche erreicht an heißen Tagen der Monate Juni und Juli, auch in unſerem Klima, 60° C. und darüber, während das Maximum der Temperatur, bei der ein Keimen noch möglich iſt, bei 30 bis 32⁰° C. liegt.(Selbſtredend giebt bei der Heinnnng nicht die Luft⸗ temperatur, ſondern die Bodentemperatur den Aneſchlag. 1)

Hiernach erklärt ſich zum Teil die Thatſache,daß im ſpäten Frühjahr oder Sommer ausgeſäete und flach untergebrachte Samen trotz genügender Mengen von Feuchtigkeit im Boden viel langſamer keimen als die zu einer kälteren Jahreszeit angebauten. ²)

Von Bedeutung iſt auch der Umſtand, daß die Temperatur⸗ ſchwankungen des Bodens, innerhalb der zuläſſigen Grenzen, bei dem Wechſel von Tag und Nacht im Frühling und Herbſt viel er heblicher ſind, als im Sommer. ³) Das iſt nämlich für die Keimung keineswegs nachteilig, ſondern im Gegenteil ſehr vorteilhaft. Denn nach den Unterſuchungen v. Liebenberg's hat ſich herausgeſtellt, daß eine gleichmäßige, wenn auch genügend hohe Wärme die Keimung

¹) Schübler hat am 16. Juni 1828 in Tübingen eine Boden⸗ temperatur von 67,5° C. gemeſſen, während die Lufttemperatur im Schatten nur 25,6 C. betrug.

²) E. Wollny. Über den Einfluß der Saatzeit ꝛc landw. Vereins in Bayern, 1883, S. 194.

³) Um nur an einem Beiſpiel zu zeigen, wie bedeutend die Tempera⸗ tur des Bodens innerhalb 24 Stunden ſchwankt, ſei folgende Beobachtung angeführt:

Bodentemperatur in 1 cm Tiefe im Lehmboden, am 21. April 1885 bei Zürich Mittags 1. Uhr in der Sonne 42,5° C.(Luft im Schatten 240 C.), am 22. April Morgens 7 7 Uhr im Schatten 10,0⁰ C.(Luft im Schatten 13⁰ C.) Differenz= 32,5° C.

Zeitſchrift d.