42 Zweiter Abſchnitt. Die Entwicklung der Getreidepflanze.
von 51 ½%. Das Mittel aus den beiden von Hoffmann und Nobbe gefundenen Quellungszahlen iſt 52 ½%. Bei milchreifen Roggen⸗ körnern fand ich einen Waſſergehalt von 62%. Die betreffende Quellungszahl iſt nach Hoffmann 58; nach Haberlandt am dritten Tage, an dem die Haberlandt'ſchen Zahlen mit dem Hoffmann'ſchen am beſten übereinſtimmen, aber ſchon 60. Daraus ergiebt ſich, daß die gemachte Vorausſetzung wenigſtens für den Weizen und für den Roggen zutrifft.
2. Wärme.— Die zweite Bedingung für die Keimung iſt Wärme. Es giebt für jede Getreideart ein Minimum, ein Maxi— mum und ein Optimum der Keimungstemperatur. Das Minimum iſt die untere, das Maximum iſt die obere Grenze der Temperatur, bei der ein Keimen noch möglich iſt. Zwiſchen dieſen beiden Grenzen, aber dem Maximum weit näher als dem Minimum, liegt das Optimum, worunter man die Temperatur verſteht, bei der die Keimung in der kürzeſten Zeit erfolgt.¹)
Fr. Haberlandt hat über dieſe Verhältniſſe zahlreiche Verſuche angeſtellt, deren Ergebniſſe, ſoweit ſie hierher gehören, in folgender Tabelle verzeichnet ſind:
Minimum Maximum Optimum der Keimungstemperatur
bei Weizen..3—40 C. 30 320 C. 250 C. „ Noggen.... 12 30 25
„ Gerſte. 3 4 28— 30 20
„ Haſer 4 5 30 25 SN,. 80 40— 44 32— 35
Die Zahlen bedürfen kaum einer Erläuterung. Es mag nur darauf hingewieſen werden, daß die untere Grenze der Keimungstemperatur unter den hier berückſichtigten Getreidearten bei dem Roggen am tiefſten, bei dem Mais am höchſten liegt.— Aus den Zahlen iſt ferner zu ſchließen, daß die Keimung um ſo mehr Zeit beanſprucht, je mehr die Temperatur unter oder über dem Optimum bleibt. Wie die Keimung unterhalb des Optimum durch niedere Temperatur verzögert, durch
höhere beſchleunigt wird(oberhalb des Optimum findet die Verzöge⸗ rung und Beſchleunigung im umgekehrten Sinne ſtatt) zeigen folgende Keimungsreſultate.*)
¹) Nach den Unterſuchungen v. Liebenberg’s„öÜber den Einfluß intermittierender Erwärmung auf die Keimung von Samen“(Bot. Central⸗ blatt, Nr. 14, 1884, S. 21) iſt die bisherige Anſchauung, einen beſtimmten Temperaturgrad als Optimum für die Keimung zu betrachten, aufzugeben oder wenigſtens zu modifizieren, und die bisherigen Keimverſuche bei konſtanter Temperatur ſind durch ſolche bei periodiſch wechſelnder Temperatur zu ergänzen, gemäß den Vorgängen(Wechſel von Tag und Nacht) in der freien Natur..
²) Fr. Haberlandt, der allgem. landw. Pflanzenbau, 1879, S. 40.


