1. Die Keimung. 41
Waſſer. Dabei nimmt jede Zelle und folglich auch das ganze Korn an Größe zu, das Endoſperm wird weich, der Keimling zeigt erhöhten Glanz, die Schale glättet, dehnt und ſpannt ſich, mit einem Wort, das Korn quillt.
Die Menge Waſſer, die das Getreidekorn zur Quellung bedarf, iſt durch Verſuche genauer feſtgeſtellt worden.
Fr. Haberlandt') legte 100 Körner in Waſſer, das täglich mehrere Mal erneuert wurde, und nahm ſie täglich heraus, um ſie ober⸗ flächlich abzutrocknen und zu wägen. Aus dieſen Gewichten ließ ſich die Waſſeraufnahme in Prozenten von dem Gewicht der lufttrocknen Körner berechnen. Das Reſultat enthalten die folgenden Zahlen, die wir der überſichtlichkeit wegen abgerundet haben.
Waſſeraufnahme in Prozenten nach Tagen: 1. 2. 3. 4. 6. 5 8.
Weizen... 31. 38 44 54 60 63 69 Roggen. 42 48 60 74 80 83 85 Gerſte. 37 43 49 55 65 67 68 Hafer 40 44 51 57 66 71 76 Mais. 25 33 36 38 40 42 50 Hirſe. 15 18 22 27 30 35 33
Aus den Zahlen tritt uns anſchaulich entgegen, was für ein Waſſerquantum die Körner Tag für Tag aufgenommen hatten. Nur inſofern läßt der Verſuch zu wünſchen übrig, als bei dem Einquellen unter Waſſer die Keimung nicht rechtzeitig erfolgte, ſo daß die Körner gezwungen waren, mehr Waſſer aufzunehmen, als ſie unter natürlichen Verhältniſſen zur Quellung bedürfen.
Zum Vergleich fügen wir die hier ebenfalls abgerundeten Zahlen hinzu, die Rob. Hoffmann und Fr. Nobbe gefunden haben.²) Bis zum Hervorbrechen des Würzelchens nahmen Waſſer auf in Prozenten:
nach Hoffmann nach Nobbe
Weizen 145 60 Roggen.... 58— Gerſte. 48— Hafer 60— Mais 44 40 Hirſe.. 25—
Wie man ſieht, ſind die; Zahlen hier durchweg niedriger, als oben. Es läßt ſich erwarten, daß die Körner bei der Quellung ungefähr ſo viel Waſſer aufnehmen, wie ſie bei dem Reifen abgegeben haben. Dieſes Quantum wird mindeſtens erforderlich, aber auch ausreichend ſein, um die Körner gleichmäßig zu durchtränken. Völlig ausgewachſene, in der Milchreife ſtehende Weizenkörner zeigten ³) einen Waſſergehalt
¹) Fr. Haberlandt, der allgem. landw. Pflanzenbau, 1879, S. 28.
²) Landw. Verſuchsſtationen, VII, 47. Nobbe, Handbuch der S Samen⸗ kunde, 1876, S. 119.
9) A. Nowacki, a. a. O. S. 39.


