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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
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38 Zweiter Abſchnitt. Die Entwicklung der Getreidepflanze.

Die chemiſche Analyſe lehrt uns, daß die ſtickſtofffreien Ex⸗ traktſtoffe in den Früchten aller Getreidearten weitaus vorherrſchen. Sie beſtehen hauptſächlich aus Stärkemehl, das ſich in dem Endo⸗ ſpermkörper aufgeſpeichert findet. Die Menge iſt bei allen Getreide⸗ arten ziemlich gleich; die Zahlen würden noch genauer übereinſtimmen, wenn nicht einige der Getreidefrüchte nackt, andere mit Spelzen be⸗ kleidet wären. Daß hierauf die Verſchiedenheit der Zahlen für die ſtickſtofffreien Extraktſtoffe größtenteils zurückzuführen iſt, zeigen die Zahlen für den Gehalt an Rohfaſer. Je höher die Zahl für die Rohfaſer, deſto niedriger iſt die Zahl für die ſtickſtofffreien Extrakt⸗ ſtoffe. Natürlich, denn in der Zahl für die Rohfaſer kommt das Ge⸗ wicht der Fruchtſchale ſamt Spelzen zum Ausdruck. Einigermaßen ſpricht auch in dieſen wie in anderen Beziehungen die Verſchiedenheit in der Größe der Körner mit, indem bei kleinen Körnern das Ge⸗ wicht der Schale verhältnismäßig beträchtlicher iſt, als bei großen.

Im Proteingehalt, der nur den 5. bis 6. Teil von dem Stärkemehlgehalt ꝛc. ausmacht, kommen die Früchte der verſchiedenen Getreidearten ebenfalls ſehr nahe überein. Wir haben bereits erwähnt, daß die Proteinſtoffe in den Endoſpermzellen vertreten ſind, und zwar in den äußeren Partieen des Endoſpermkörpers reichlicher, als in den inneren. Nachzutragen bleibt noch, daß auch das Zellgewebe des Keimlings und des Schildchens, abgeſehen natürlich von den Zell⸗ wänden, überwiegend aus ſtickſtoffhaltiger Subſtanz beſteht, während das Stärkemehl in dieſen Organen fehlt.

Dafür iſt in den Zellen des Keimlings das Fett relativ reich⸗ licher abgelagert, als in den übrigen Teilen der Frucht. Nach Fr. Haberlandtu) enthielten nämlich die vom Endoſperm ſorgfältig abgelöſten

Keime des Weizens.... 14,25% Fett 5 Roggens 172,37 der nackten Gerſte.. 22,42 des nackten Hafers.. 25, ,1 Maiskorns... 32,94

Den Fettgehalt des Endoſperm- oder Mehlkörpers hat H. nicht beſonders beſtimmt. Doch läßt ſich aus den vorliegenden Zahlen ſchließen, daß der Fettgehalt des ganzen Korns dem des Mehlkörpers parallel geht. Weitaus am reichſten an Fett ſind demnach Hafer, Mais und Hirſe; ſpärlicher iſt das Fett vertreten in Gerſte, Roggen, Weizen und Spelz. Ein Teil des Rohfettes iſt auf Rechnung der in der inneren Schicht der Schale abgelagerten Farbſtoffe zu ſchreiben; der Atherauszug aus milchreifen Weizenkörnern zeigt eine grünliche, der aus gelbreifen eine gelbliche und der aus totreifen eine bräunliche Farbe.

Die Mineralbeſtandteile ſind durch die ganze Subſtanz der

2) Fr. Haberlandt, Wiſſenſchaftlich-praktiſche Unterſuchungen, 1875, S. 141.