Sweiter AÄbſchnitt. Die Entwicklung der Getreidepflanze.
Um für den Anbau des Getreides die naturwiſſenſchaftliche Grund⸗ lage zu gewinnen, müſſen wir uns vor allem mit der Entwicklung der betreffenden Pflanzen bekannt machen. Da die vorliegende Schrift jedoch für eine beſtimmte Gegend, nämlich für das mittlere Europa, insbeſondere für das Gebiet des deutſchen Reiches berechnet iſt, ſo ſchließen wir die Getreidearten, die für dieſe Gegend keine Bedeutung haben, von der Betrachtung aus: Reis, Durra, Dochen, Korakan (Daguſcha), Tef. Das Kanariengras laſſen wir als untergeordnet hier ebenfalls beiſeite; und Mais, Hirſe und Fennich berückſichtigen wir auch nur nebenbei, um unſeren Hauptgetreidearten: Weizen, Roggen, Gerſte und Hafer um ſo mehr Raum widmen zu können.
Die verſchiedenen Stufen der Entwicklung: Keimen, Wachſen, Blühen, Reifen gehen ſo allmählich und unmerklich in einander über, daß man nirgends einen beſtimmten Anfang oder ein beſtimmtes Ende zu erkennen vermag. Selbſt mit der Fruchtreife gelangt die Ent⸗ wicklung nicht zu einem definitiven Abſchluß, ſondern nur zu einem vorübergehenden Stillſtand; denn die gezeitigte Frucht enthält den Keim, der ebenſowohl ein Teil der alten wie der neuen Pflanze, ebenſowohl Anfang wie Ende und Mitte der Entwicklung iſt. Immer⸗ hin bietet das Erwachen aus der Samenruhe und die Regung des neuen Lebens, wie es mit der Keimung eintritt, einen natürlichen Ausgangspunkt. Demgemäß wollen wir der Betrachtung nachſtehende Einteilung zu Grunde legen:
. Die Keimung. 2. Die Bewurzelung. Die Beſtockung. Das Schoſſen. Das Blühen. 6. Das Reifen.
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I. Die Keimung.
a) Der anatomiſche Bau der Getreidefrucht.
Das Samenkorn der Getreidegräſer iſt eine Frucht. Die Frucht beſteht aus drei Hauptteilen. Dieſe ſind: der Keimling, der Mehl⸗


