3. Verbreitung und Bedeutung der Getreidearten. 29
Schaden der großen beſitzloſen Maſſen. Die Zölle ſollen nur dem immer weiteren und raſcheren Fortſchritt der Einfuhr entgegenwirken, indem ſie den Gewinn des auswärtigen Produzenten vermindern“ (Frantz).
In gewiſſem Sinne wird hiermit ſelbſt den auswärtigen Produ⸗ zenten ein Dienſt geleiſtet. Denn„die ſtürmiſche Originalität des Handelns und Verfahrens“, auf die der Amerikaner ſo ſtolz iſt, ſie iſt mit einer geſunden und nachhaltigen Entwicklung unvereinbar. Die dortige Landwirtſchaft, die die unſerige gegenwärtig zu erdrücken droht, iſt ein fabrikmäßiger Raubbau mit Dampfbetrieb. Je ſtür⸗ miſcher und großartiger er betrieben wird, deſto ſchneller hat er ſein Ende erreicht. Einzelne Weizenkönige werden reich dabei, das Land wird arm. Der ganze Oſten iſt bereits ausgeraubt. Der Zug geht nach dem Weſten, wo das Geſchäft zur Zeit noch blüht; aber die Vor⸗ poſten der Armee ſind bereits am Felſengebirge angelangt.
Die Fläche des jungfräulichen Bodens nimmt ebenſo rapid ab, wie die Zahl der Bevölkerung zunimmt. Es iſt ein Vorgang, wie auf dem Schild des Achilles, wo die Schnitter, in zwei Haufen geteilt, das Erntefeld von den entgegengeſetzten Seiten in Angriff nehmen; je eifriger ſie arbeiten, deſto ſchneller treffen ſie in der Mitte zuſammen. Die Zeit iſt abzuſehen, wo Amerika alle ſeine Ackerbau- und Viehzucht⸗ produkte ſelbſt braucht, wo es folglich an Europa nichts mehr abgeben kann. Geht es ebenſo ſtürmiſch fort, wie in den letzten Jahren, dann kann dieſer Zuſtand ſchon in einigen Jahrhunderten erreicht werden.
Inzwiſchen könnte aber die weſteuropäiſche Landwirtſchaft ſamt der ganzen Kultur, die ſich auf ſie ſtützt, zu Grunde gerichtet ſein.
Iſt es deshalb an der Zeit— ſo ſchrieben wir im Dezember 1884, als bald darauf, faſt gleichzeitig in Frankreich und Deutſchland die Zollerhöhung erfolgte— durch mäßige Schutzzölle dem Nieder⸗ gang der weſteuropäiſchen Landwirtſchaft vorzubeugen, ſo dürfen wir uns doch nicht der Hoffnung hingeben, daß durch dieſe Maßregel die Kriſis, in der wir uns befinden, vollſtändig beſeitigt werden kann. Auch nach Erhöhung der Einfuhrzölle— die Zeit hat gelehrt, daß wir die Verhältniſſe richtig beurteilt haben— wird die Lage eine ſchwierige bleiben, weil die enorme Entwicklung des Verkehrs es unſeren Konkurrenten auch dann noch ermöglicht, die Produkte ihres fruchtbaren, billigen und, ſozuſagen, unbeſteuerten Bodens zu einem Preiſe auf unſere Märkte zu liefern, den die weniger gut ſituierten Grundbeſitzer und Pächter nicht auszuhalten im ſtande ſind. Dagegen kann die Erhöhung der Getreidezölle die Wirkung haben, daß die Landwirte, die Arbeit und Kapital auf den preiswürdig er⸗ worbenen und mäßig belaſteten Grund und Boden in rationeller Weiſe verwenden, den Kampf der Konkurrenz be⸗ ſtehen und nach wie vor Befriedigung und Freude in ihrem Berufe finden, ſofern ſie eingedenk des alten Spruches ſind: Im Schweiße deines Angeſichts ſollſt du dein Brot eſſen.


