3. Verbreitung und Bedeutung der Getreidearten. 27
ganz aufgeben oder auch nur vernachläſſigen dürfen ſie ihn unter keinen Umſtänden. Sobald das geſchieht, iſt der Verfall da.
Wie innig der Getreidebau mit dem Betriebe unſerer Landwirt⸗ ſchaft verwachſen iſt, lehrt ein Blick anf die Schweiz. Dort ſind die natürlichen Bedingungen für den Futterbau in dem Grade gegeben, wie in keinem anderen Lande Europas, und doch kommt man jetzt, nachdem in den letzten Jahrzehnten der Getreidebau mehr und mehr dem Futterbau das Feld geräumt hat, zu der Einſicht, daß auch die Viehzucht(und ſelbſt der Rebbau) ohne Getreidebau nicht mit Vorteil betrieben werden kann, weil das Stroh für die Haltung der Tiere und für die Düngerproduktion ꝛc. nicht zu entbehren und nicht zu er⸗ ſetzen iſt. Dabei gewinnt die Schweiz auf ihren zahlreichen Ried⸗ und Moosflächen zwei Streuſurrogate, die den benachbarten Ländern gänzlich fehlen oder wenigſtens nicht in gleichem Verhältnis zur Ver⸗ fügung ſtehen; und überdies geſtattet die flüſſige Düngung, die ſchon aus Mangel an fließendem Waſſer nicht allgemein durchführbar iſt, eine erhebliche Erſparnis an Streumaterial.
Überall, wo die Stallfütterung die eigentliche Stallmiſtbereitung bedingt, iſt das Stroh in der Wirtſchaft ebenſo unentbehrlich wie im Hauſe das Brot. Die Wahrheit dieſes Satzes erkennt man erſt recht, wenn das Stroh fehlt. Ein anderer alter Erfahrungsſatz lautet: Um den Strohbedarf in der Wirtſchaft zu decken, iſt im allgemeinen auf Mittelboden die Beſtellung der halben Gutsfläche mit Halmgewächſen erforderlich. Wie ſollte aber dieſer Bedarf an Stroh gedeckt werden, wenn wir kein Getreide mehr anbauen wollten? Angenommen alſo auch, wir könnten all' unſer Brotkorn von auswärts beziehen, ſo müßten wir doch der Stroh⸗ gewinnung wegen den Getreidebau beibehalten, und zwar, da wir im ganzen genommen eher Mangel als Überfluß an Stroh haben, etwa in derſelben Ausdehnung wie bisher. Natürlich würde der Getreide⸗ bau bei Bevorzugung der Strohproduktion noch viel weniger rentieren, als wenn, wie bisher, das Korn das Hauptprodukt, das Stroh da⸗ gegen nur das Nebenprodukt iſt. f
Am allerwenigſten können Deutſchland und Frankreich daran denken, den Getreidebau aufzugeben. Sie ſind durch Boden und Klima ſchlechterdings auf dieſe Kultur angewieſen, womit nicht geſagt ſein ſoll, daß andere Kulturen ausgeſchloſſen wären. Vielmehr iſt dieſen Ländern durch die natürlichen Bedingungen ein angemeſſenes, nach der Ortlichkeit wechſelndes Verhältnis zwiſchen Getreidebau, Futterbau, Hackfruchtbau, Handelsgewächsbau, Weinbau, Wieſenbau und Waldbau vorgeſchrieben; aber der Getreidebau bildet hier ein notwendiges Glied in der Kette, er muß, ſchon um die Vorteile des Fruchtwechſels nicht preis⸗ zugeben, nach wie vor ein Hauptzweig des Wirtſchaftsbetriebes bleiben.
Die Konkurrenz, an der außer Amerika auch Auſtralien, Rußland und Indien beteiligt iſt,(und die ſich nicht allein auf den Getreidebau, ſondern auch auf den Futterbau und auf die Viehzucht
erſtreckt) hat ja immerhin das Gute, daß ſie den Preis der notwendigſten


