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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
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Erſter Abſchnitt. Einleitende Betrachtungen.

es treten ſucceſſive, nur in umgekehrter Ordnung, die europäiſchen Getreidearten auf.

Bisher haben wir nur die horizontale Verbreitung im Auge gehabt. Verfolgen wir das Auftreten der Getreidearten vom Tieflande nach der Höhe, ſo finden wir dieſelbe Geſetzmäßigkeit wieder. In heißen Ländern zu unterſt die Tropengewächſe(Reis, Mais ac.), dann weiter nach oben unſere Cerealien, erſt Weizenarten, dann Roggen, dann Hafer und Gerſte, als die Reihe beſchließend. Auch in den europäiſchen Gebirgsländern finden wir dieſe Reihenfolge. Gehen wir z. B. nach Graubünden, ſo begegnen uns dort in den tieferen Thalgeländen der Mais und der Weizen, in höheren, ſo im Ober⸗ land und Unterengadin, kommt der Roggen als vorherrſchendes Ge⸗ treide, und alles ißt da Roggenbrot; zuletzt endlich, ſo im Oberengadin und Rheinwald, die Gerſte. Eine Staffel höher breiten ſich die Alpen aus, wo der Senn nach Nomadenart im Sommer ſeine Herden weidet, mit der Sonne höher und höher ſteigend, hinauf bis zu den einſamen Regionen, wo alles Leben in Schnee und Eis erſtirbt in den Alpen, wie im hohen Norden und am ſüdlichen Pole.

Die Geſetzmäßigkeit, die wir in der Verbreitung der Getreide⸗ arten ausgeſprochen finden, iſt eine natürliche, durch das Klima be⸗ dingte. Die Verbreitung ſelbſt dagegen iſt eine künſtliche, weil ſie durch den Menſchen zu ſtande kam, der die Cerealien über ihren urſprünglichen Verbreitungsbezirk hinaus verpflanzte und dadurch, daß er ſie im großen in Kultur nahm und aus einem Weltteil in den andern verſetzte, eine gewaltige Veränderung in der Flora ſowohl wie in den wirtſchaftlichen Verhältniſſen herbeiführte. Man erwäge nur, was die Verpflanzung des Maiſes(der Kartoffel und des Tabaks) von Amerika nach Europa, und was umgekehrt die Verpflanzung des Weizens, des Roggens, der Gerſte und des Hafers von Europa nach Amerika auf den Betrieb der Landwirtſchaft, auf die Ge⸗ ſtaltung von Handel und Verkehr, auf die Zollpolitik, auf das Steuerweſen ac. ꝛc. für einen tiefgreifenden Einfluß ausgeübt hat und noch immer ausübt!

Es würde uns viel zu weit führen, wollten wir alle Fragen, die hiermit im Zuſammenhange ſtehen, nur einigermaßen gründlich und erſchöpfend behandeln. Von ihrer Erörterung kann hier um ſo mehr abgeſehen werden, weil eineAnleitung zum Getreidebau das Natur wiſſenſchaftliche und Techniſche zur Aufgabe und die wirtſchaftliche Möglichkeit und Notwendigkeit des Getreidebaues zur Vorausſetzung hat. Deshalb berühren wir auch die Frage der Konkurrenz, die für die Länder des weſtlichen Europas je länger, je mehr eine brennende wird, nur in aller Kürze, indem wir es für ausgemacht anſehen, daß dieſe Länder den Getreidebau trotz der Konkurrenz beibehalten müſſen, wenn die Landwirtſchaft als Ganzes in ihnen nicht ſinken ſoll. Sie können den Getreidebau zu gunſten des Futterbaues und der anderen Kulturen, je nach der Gegend mehr oder weniger einſchränken, aber