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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
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3. Verbreitung und Bedeutung der Getreidearten. 25

Verhältnis zu den übrigen Kulturen in geringem Umfang. In Indien dagegen und in China, wie auf den Sundainſeln iſt der Reis die vor⸗ herrſchende Kulturpflanze, die der dortigen ſo dichten Bevölkerung vor⸗ züglich zur Nahrung dient. Wir haben hier voraus die nördlichen Grenzen dieſer Mehlpflanzen im Auge gehabt, die ſüdlichen ſind weniger ſcharf. Die Gerſte geht von ihrer Nordgrenze bis zu den Tropen, und ſo auch die übrigen Getreidearten; allein nach den ſüdlichen Ländern zu verlieren ſie immer mehr von ihrer Bedeutung, und werden ferner zu Winterkulturen. Während die Gerſte im hohen Norden eine Brotpflanze iſt, wird ſie ſchon in der Roggenzone zur Bierpflanze, und im Süden, wo der Wein das Bier verdrängt, faſt nur als Pferdefutter gebraucht; ſo ergeht es auch dem Hafer, der nur im Norden(in Schottland und Norwegen ſehr ausgedehnt) zur Brotbereitung benutzt wird. Die Weizenarten behaupten zwar ihren Rang, allein ſchon jenſeits der Alpen verlieren ſie großenteils die Bedeutung, die ſie im mittleren und nördlichen Europa haben. Schon in Oberitalien ißt das gemeine Volk vorherrſchend Polenta.¹) Und was jene Winterkulturen betrifft, ſo ſehen wir, daß ſchon in Griechenland der Weizen und die Gerſte im Spätherbſt geſäet und mit Anfang des Sommers geerntet werden. In Agypten und Paläſtina iſt im März oder Anfang April die Ernte, und ebenſo verhält es ſich in Oberindien, wo im Sommer auf dem gleichen Boden die Gewächſe der Tropen gebaut werden.(Hiernach erklärt ſich die Gewöhnung gewiſſer Getreidearten an die Überwinte⸗ rung auf ſehr einfache Weiſe.).

In Afrika finden wir an den Nordküſten und auch in Ägypten vorherrſchend Mais und Mohrenhirſen(Durra und Dochen), dann aber auch Weizenarten angebaut; in Abeſſinien neben dieſen die Daguſcha und den Tef; im heißen Afrika ſind Mais und Reis nebſt der Mohrenhirſe die Hauptkulturen, während an der Süd⸗ ſpitze wieder unſere Cerealien folgen, die auch in Neuholland und Neuſeeland nach der Anſiedlung der Europäer eine neue Heimat ge⸗ funden haben.

In Amerika ſind die ihm urſprünglich angehörenden Pflanzen, auch ſeit neue Menſchenraſſen dieſen Weltteil bewohnen, von höchſter Bedeutung geblieben. Der Mais iſt, ſeiner ungeheuren Verbreitungs⸗ fähigkeit wegen, noch wichtiger als die Kartoffel, indem er von Kanada weg bis nach Patagonien hinunter kultiviert werden kann, unter den Tropen von dem Tiefland bis gegen 12000 Fuß übers Meer hinauf. Die eingewanderten Getreidearten folgen faſt genau denſelben Ver⸗ breitungsgeſetzen, wie in Europa: in Kanada viel Gerſte, Hafer und Roggen, in den Vereinigten Staaten dieſe Gewächſe nebſt den Weizenarten, und im Süden, und zwar ſchon von Louiſiana an, der Reis, der gegenwärtig namentlich in Braſilien immer mehr ſich ausbreitet. Weiter im Süden verſchwindet dann der Reis wieder, und

¹) Polenta iſt ein ſteifer Brei, bereitet aus Maismehl.