24 Erſter Abſchnitt. Einleitende Betrachtungen.
beſtimmen! Überall ſind ſie dem Menſchen gefolgt, wohin er ſich wandte; nur das Klima ſetzte inſofern eine Grenze, als am Nordpol wie am Südpol ein Bezirk gänzlich ausgeſchloſſen blieb, während innerhalb der niederen Breiten eine geſetzmäßige Verteilung der Arten in der Rich⸗ tung vom Aquator beiderſeits nach den Polen hin erfolgte. Dieſe Verhältniſſe hat Oswald Heer in einem Vortrage, den er„über Vaterland und Verbreitung der wichtigſten Nahrungspflanzen“ im Jahre 1847 in Zürich hielt, ſo vortrefflich geſchildert, daß wir nichts Beſſeres thun können, als ſeine Worte mit einigen unerheblichen Abänderungen hier wiederzugeben.
„Im hohen Norden erſtirbt alles Leben in Eis und Schnee und ebenſo auch am ſüdlichen Pole. Zuerſt beginnt es mit unanſehnlichen, an der Erde hinkriechenden Gewächſen. Dort treiben ſich kleine Jäger⸗ und Nomadenhorden umher, faſt nur von den Tieren des Waſſers, zum Teil aber auch von den armſeligſten Pflanzen(Flechten) ſich nährend. So die Eskimos und die nordaſiatiſchen Nomaden.
Dann kommt(in Lappland beim 70.0 n. Br. am weißen Meer zwiſchen 67° und 68 ⁰) ein Streifen Landes, auf dem als erſte Kultur⸗ pflanzen die Kartoffel und die Gerſte erſcheinen, die durch ihre kärg⸗ lichen Ernten den Bewohnern jenes Landes das Mehl zur Brotberei⸗ lung liefert.
Etwa drei Grad ſüdlicher beginnen der Roggen und der Hafer, die eine breite Zone der Kultur eingenommen haben. Im nördlichen Teile von Rußland, in Schweden, Norwegen, Dänemark und auch im nördlichen Deutſchland iſt der Roggen das vorherrſchende Getreide und Roggenbrot die gewöhnliche Nahrung. Im ſüdlichen Deutſchland und in der Schweiz tritt er ſchon mehr in den Hintergrund; jenſeits der Alpen wird er nicht mehr auf Körner gebaut, ſondern nur noch auf Stroh, indem die feinen italieniſchen Strohhüte daraus gefertigt werden.
Den Roggen löſt der Weizen ab. Zwar ſchon im mittleren Schweden(bei 62° n. Br.) und Norwegen(bei 64 n. Br.), wie bei St. Petersburg(60 ¼¾ 0n. Br.) auftretend und ſelbſt noch bei Jakuzk in Sibirien(62°n. Br) in Kultur, wo der Boden nur etwa drei Fuß tief auftaut, tief unten aber immer gefroren bleibt, nimmt ſeine Kultur doch erſt weiter ſüdlich überhand, und liefert, mit dem Spelz, im ſüdlichen Deutſchland, in der Schweiz und ebenſo auch im ſüdlichen Europa das tägliche Brot. Ebenſo an den nordafrikaniſchen Küſten und in dem wärmeren, doch außertropiſchen Aſien. Der Spelz iſt in Schwaben und in der Oſtſchweiz vorzüglich in Kultur, der Weizen dagegen in den übrigen Ländern..
Zwiſchen dem 46.—50.°n. Br., je nach den Lagen verſchieden, iſt die nördliche Grenze des Maiſes in Europa, die er mit dem Wein— bau teilt; doch erſt jenſeits der Alpen iſt dieſe Kultur dominierend, die für das ganze ſüdliche Europa, dann aber auch für einen großen Teil Aſiens von unermeßlicher Wichtigkeit geworden iſt.
Noch wichtiger iſt indeſſen für das tropiſche Aſien der Reis. Er wird ſchon in Italien, in Piemont und im Römiſchen gebaut, doch im


