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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
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20 Erſter Abſchnitt. Einleitende Betrachtungen.

legen und Zählen erforderte bei dieſem Stock gegen drei Stunden Arbeitszeit. Die beiden Zahlen 1215 und 121 können als vergleich⸗ bar angeſehen werden, denn ſie beziehen ſich auf zwei Pflanzen, die ganz iſoliert auf gartenmäßig kultivierten Feldſtücken ſtanden, ohne abſichtlich angebaut zu ſein. Wir fügen ſie bei, um die Überlegenheit der Wieſengräſer gegenüber den Getreidegräſern in der Beſtockung darzuthun.

Im geſchloſſenen Beſtande ſind bei Wieſengräſern(Knaulgras, engliſchem, italienſchem und franzöſiſchem Raygras ꝛc.) 30 und 40 Triebe an einer Pflanze etwas Gewöhnliches. In unſeren Getreide⸗ feldern findet man dagegen oft nur einen Halm am Stock, ſehr ſelten mehr als 15, und der Durchſchnitt wird die Zahl 5 wahrſcheinlich nicht erreichen.

Hierbei haben wir noch auf einen Punkt aufmerkſam zu machen, der in der Beſtockung der Getreidearten und der betreffenden Wieſen⸗ gräſer einen weſentlichen Unterſchied bedingt. Die Wieſengräſer wir reden jetzt ſpeziell von den ausdauernden horſtbilden den Gräſern entwickeln nämlich jedes Jahr nur eine beſchränkte, ver⸗ hältnismäßig kleine Anzahl von fruchttragenden Halmen; die Mehrzahl bleibt ſteril, um im zweiten Schnitt oder erſt im nächſteu Jahre nach⸗ zuwachſen und zur Blüte und Fruchtbildung zu gelangen, ſofern der Menſch durch ſeinen Eingriff das Reifen der Früchte nicht verhindert. Bei den einjährigen Gräſern Getreidearten und Unkräutern ſind dagegen alle Stocktriebe fruchttragend, mit Ausnahme der ſchwäch⸗ lichen Nachzügler. Deshalb kann man bei frühzeitig geſäetem Winter⸗ getreide ſchon im Herbſt, tief verſteckt zwiſchen den Blattſcheiden, die Anlage der Ahren finden. Mit anderen Worten heißt das: Die aus⸗ dauernden Gräſer ſorgen neben der Fruchtbildung fortwährend auch durch Reſervetriebe für ihre Fortexiſtenz, die einjährigen Gräſer ver⸗ laſſen ſich dagegen allein auf die Fruchtbildung. Hier hat die Bildung von Reſervetrieben für das folgende Jahr keinen Sinn. Die ganze Pflanze ſtirbt nach der Fruchtreife ab; lebens⸗ und fortpflanzungs⸗ fähig bleibt nur der im Samenkorn ſchlummernde Keim.

3. Da alſo die einjährigen Gräſer, um den Zweck der Fortexiſtenz zu erreichen, ihre ganze Kraft mit Ausſchluß natürlich des Teils, der zur Herſtellung und zum Betrieb der Arbeitsmaſchine(des Wurzel⸗, Stengel- und Blattſyſtems) hergegeben oder geopfert werden muß auf die Fruchtbildung verwenden, ſo können wir verſtehen, weshalb ſie in dieſer Richtung ganz bedeutend mehr leiſten, als die ausläufer⸗ treibenden und immerhin auch noch beträchtlich mehr, als die aus⸗ dauernden horſtbildenden Gräſer. In der That ſind die einjährigen Gräſer allgemein durch den Reichtum und, wenn man Vergleichbares miteinander vergleicht, auch durch die Größe der Früchte ausgezeichnet. Dies gilt für die grasartigen Unkräuter, die hierher gehören, ebenſo⸗ wohl wie für die Getreidearten. Die weiche Trepſe, in unſerer UÜber⸗ ſicht das einzige einjährige Gras, das auf den Wieſen vorkommt, ſteht im Fruchtertrage allen übrigen Wieſengräſern voran. Ebenſo liefert

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