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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
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1. Die Getreidearten gehören in die Familie der Gräſer oder Gramineen. 19

Beſtockung ſo weit, daß die Fruchtbildung ganz vernachläſſigt oder nur gelegentlich mit zur Fortpflanzung benutzt wird. Ein bekanntes Beiſpiel hierfür iſt die Quecke, die ſich auf geeignetem Boden(auf humoſem Sande), ohne Samen hervorzubringen, jahraus jahrein erhält und lediglich durch die Erzeugung von unterirdiſchen Stock⸗ trieben und oberirdiſchen Blättern ſo vorzüglich für ihre Fortexiſtenz ſorgt, daß alle Anſtrengungen des Landwirts, das läſtige Unkraut auszurotten, vergeblich ſind. Soviel man auch herausſchaffen mag, es bleibt immer noch Samen genug im Boden. Das WortSamen kommt uns hier unwillkürlich in den Sinn. Warum? Weil die unterirdiſchen Ausläufer der Quecke in der That nichts anderes ſind, als ein Erſatz oder ein Aquivalent des Samens.

2. Bei einer zweiten Gruppe von Gräſern wird die Beſtockung und die Fruchtbildung ungefähr in gleichem Maße für die Fortpflanzung in Anſpruch genommen. Dies gilt für die ausdauernden horſt⸗ bildenden Gräſer, zu denen die Mehrzahl unſerer guten Wieſen⸗ und Weidegräſer gehört. Sie eignen ſich für die Zwecke der Futter⸗ gewinnung hauptſächlich deshalb, weil die Beſtockung, durch das Ab⸗ ſchneiden oder Abweiden noch mehr angeregt und befördert, bei ihnen eine große Menge von Halmen und Blättern hervorbringt. Sie ſind in der Produktion von Stocktrieben den einjährigen horſtbildenden Gräſern entſchieden überlegen, ſtehen ihnen aber in der Produktion von Früchten ebenſo entſchieden nach.

Bei dem Knaulgras, einem ausdauernden horſtbildenden Graſe, habe ich z. B. am 24. September 1884 an einem einzigen Stocke, der einige Zeit vorher dicht am Boden abgemäht worden war, ohne die Stoppeln, 152 größere und kleinere Triebe gezählt, die im folgenden Jahre ſämtlich zur Entwicklung und zur Nutzung gelangt und durch eine entſprechende Anzahl neuer Triebe erſetzt worden wären. Die höchſte Zahl von Trieben, die ich bei der Wintergerſte, einem einjährigen horſtbildenden Graſe, bei einer am Rande des Feldes ſtehenden kräftigen Pflanze(am 6. Mai 1875) gefunden habe, betrug dagegen nur 41. Dabei war die Mehrzahl ſo ſchwach, daß ſie bei der Ernte ſicherlich nicht von der Senſe gefaßt, wahrſcheinlich ſchon vorher ganz unterdrückt worden wäre. Die Zahlen 152 und 41 beziehen ſich auf zwei Pflanzen, die zwar beide günſtig ſituiert, aber unter natür⸗ lichen Verhältniſſen, ohne alle künſtlichen Vorkehrungen in demſelben Klima und auf ähnlichem Boden gewachſen waren. Das aus den Zahlen ſich ergebende Verhältnis iſt 3:1 bis 4:1.

Die Zahlen 152 und 41 ſind keine Extreme. Unter außergewöhn⸗ lichen Verhältniſſen beſtocken ſich ſowohl die Getreide⸗ wie die Wieſen⸗ gräſer weit ſtärker, als dieſe Zahlen beſagen. Hierfür mögen folgende Beiſpiele zum Belege dienen. Am 1. April 1885 fand ich eine Pflanze von Winterweizen, an der ich 121 Stocktriebe zählte. Das iſt eine enorme Zahl. Aber am 3. April desſelben Jahres fand ich eine Pflanze von franzöſiſchem Raygras(Avena elatior), die 1215 Stock⸗ triebe, alſo zehnmal ſo viel als jene Weizenpflanze, beſaß. Das Zer⸗

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