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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
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18 Erſter Abſchnitt. Einleitende Betrachtungen.

Wodurch dieſe eigentümliche Gruppierung zu ſtande kommt, wird uns ſofort klar, wenn wir uns die Pflanzen für einen Augenblick, ohne alle Beziehung zum Menſchen, als Lebeweſen denken, die zunächſt um ihrer ſelbſt willen da ſind.

Wie alle Lebeweſen, ſo ſind auch die Pflanzen vergänglich, aber ſie erhalten ſich durch Wiedererzeugung oder Reproduktion ihrer ſelbſt, die, im Grunde genommen, in nichts anderem beſteht, als in einer fort und fort wiederholten Teilung des Körpers oder Organismus.

Die äußere Erſcheinung dieſer Teilung oder, wie man gewöhnlich ſagt, der Fortpflanzung iſt bei der Unzahl von Gewächſen, die die Erde hervorbringt, eine ſehr verſchiedene. Bleiben wir bei den Gräſern ſtehen, ſo haben wir hauptſächlich zwei Arten der Fortpflanzung aus⸗ einanderzuhalten:

1. Fortpflanzung durch Beſtockung.

2. Fortpflanzung durch Fruchtbildung.

Beſtockung und Fruchtbildung ſind alſo die beiden Wege, auf denen die Graspflanzen den Zweck der Fortexiſtenz erreichen.

Nun muß die Pflanze, um Stocktriebe oder Früchte zu bilden, eine Arbeit leiſten, die Stoff und Kraft erfordert. Die Kraft liefert die Sonne, indem ſie der Pflanze Licht und Wärme ſpendet; den Stoff liefern Erde, Luft und Waſſer; und die Pflanze vermag nichts anderes zu thun, als dieſe von außen kommenden Stoffe und Kräfte in ſich aufzunehmen, auszunutzen und umzuſetzen, mit einem Worte, zu ver⸗ arbeiten; vermehren kann ſie ſie nicht um das Geringſte, im Gegen⸗ teil, bei der Verarbeitung geht immer ein Teil von ihnen ungenutzt verloren. Da nun Kraft und Stoff für einen beſtimmten Standort (Klima, Boden, Düngung) eine gegebene, begrenzte Größe ſind, ſo kann jede Pflanze in dem Zeitraum eines Jahres nur eine begrenzte Arbeit leiſten. Wenn ſie die Arbeit teilt, indem ſie einerſeits Stock⸗ triebe, andererſeits Früchte entwickelt, ſo kann der Zweck der Fort⸗ exiſtenz möglicherweiſe mehr geſichert werden, aber es iſt klar, daß dieſe Arbeitsteilung notwendig eine Teilung oder Zerſplitterung von Kraft und Stoff in ſich ſchließt, während bei einer Konzentrierung der Arbeit ſei es auf die Beſtockung, ſei es auf die Fruchtbildung durch die Zuſammenhaltung von Stoff und Kraft in einer be⸗ ſtimmten Richtung ſelbſtverſtändlich mehr geleiſtet wird.

Hiernach können wir uns theoretiſch drei Fälle denken:

1. Bevorzugung der Beſtockung.

2. Gleichſtellung der Beſtockung und Fruchtbildung.

3. Bevorzugung der Fruchtbildung.

Es läßt ſich leicht nachweiſen, daß dieſe drei Fälle in der That bei den Gräſern vorkommen. Wir halten ſie der Überſichtlichkeit wegen ſcharf auseinander, müſſen uns aber daran erinnern, daß die Natur die Gegenſätze mildert und vermittelt.

1. Bei den ausläufertreibenden Gräſern wird die Beſtockung bevorzugt, allerdings mit größerer oder geringerer Entſchiedenheit. Bei einigen der hierher gehörenden Arten geht die Bevorzugung der