10 Erſter Abſchnitt. Einleitende Betrachtungen.
ſowohl wie bei den Getreidearten, ſo daß uns auch hier wieder die Zuſammengehörigkeit von Gras und Getreide entgegentritt. Einige Beiſpiele mögen dies näher erläutern.
Der Blütenſtand iſt eine Ahre:
a) unter den Getreidearten bei Weizen, Roggen, Gerſte ꝛc.,
b) unter den Wieſengräſern bei der Wieſengerſte, bei dem eng⸗ liſchen und italieniſchen Raygras ec.,
c) unter den Unkräutern bei der Mänſegerſte, dem Taumelloch, der Quecke ꝛc.
Der Blütenſtand iſt dagegen eine Riſpe:
a) unter den Getreidearten bei Hafer, Hirſe, Reis ec.
b) unter den Wieſengräſern bei dem Riſpengras, Knaulgras, franzöſiſchen Raygras ec.,
c) unter den Unkräutern bei dem Flughafer, dem Windhalm, der
Roggentreſpe ꝛc.
Der Unterſchied zwiſchen den beiden Formen des Blütenſtandes beſteht darin, daß bei der Riſpe deutlich ſichtbare, längere und kürzere Seitenzweige von der Hauptachſe abgehen, während derartige Zweige oder Aſte bei der Ähre nicht vorhanden ſind.
Hierzu iſt jedoch zu bemerken, daß die Riſpenäſte bei gewiſſen Gräſern der Hauptachſe dicht anliegen oder ſogar mit ihr verwachſen ſind, wodurch der Blütenſtand, oberflächlich betrachtet, der Ahre ähn⸗ lich wird. Wir erhalten dann eine ährenförmige, fuchsſchwanzähnliche Riſpe, wie ſie unter den Getreidearten namentlich bei dem Fennich oder der ſog. Kolbenhirſe, Setaria italica, unter den Wieſengräſern z. B. bei dem Wieſenfuchsſchwanz und dem Timotheegras, und unter den Unkräutern z. B. bei dem Ackerfuchsſchwanz und den wildwachſen⸗ den Fennichgräſern, Setaria viridis, S. verticillata ac. vorkommt.
Bei einem einzigen Graſe, bei dem Mais, ſind zwei verſchiedene Formen des Blütenſtandes auf ein und demſelben Stengel vereinigt: Riſpen an dem Gipfel, Ahren oder Kolben an den Seiten des Stengels..
Teils der Verſtändigung wegen, teils aus anderen Gründen en wir uns die einzelnen Teile des Blütenſtandes näher anſehen. Wir nehmen eine Weizenähre zur Hand, die bereits längere Zeit aus der Blattſcheide hervorgerückt, in allen äußeren Teilen voll⸗ kommen entwickelt und in den inneren Teilen ſo weit gediehen iſt, daß ſie jeden Augenblick aufblühen kann. Was finden wir an dieſer Ahre? Wir gehen anatomiſch gder zergliedernd zu Werke und ſchneiden, an dem unteren Teil der Ähre anfangend und Schritt vor Schritt etwa bis zur mittleren Höhe aufſteigend, mit Hülfe einer kleinen und ſpitzen Schere alles das ab, was an der Ährenſpindel ſitzt. Dabei werden wir finden, daß die Spindel deutlich gegliedert iſt, und daß die Teile, die wir abſchneiden, abwechelnd an der rechten und linken Seite ſtehen, daß ſie alſo wechſelſtändig ſind. Von längeren Zweigen
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