1. Die Getreidearten gehören in die Familie der Gräſer oder Gramineen. 9
wöhnlich weiß gefärbten Teile zu beachten, die ſich an der Stelle be⸗ finden, wo die Blattſcheide in die Blattſpreite übergeht. Wir meinen das Blatthäutchen und die beiden Blattöhrchen.
Das Blatthäutchen iſt eine kurze Verlängerung der glatten Innenhaut der Blattſcheide nach oben hin. Es ſcheint den Zweck zu haben, die höckrige Gelenkfläche des älteren Blattes zu decken, damit die Spitze des jüngeren Blattes und namentlich auch des Blüten⸗ ſtandes ſicher aus der Blattſcheide hervorgeſchoben werden kann. Fig. 6 zeigt bei h das Blatthäutchen des Riſpenhafers, das wie ein Steh⸗ kragen aus der Blattſcheide hervorragt..
Die Blattöhrchen vermitteln den Übergang der Blattſcheide in die Blattſpreite. Sie bilden eine Art Gelenk, während der ver⸗ ſtärkte Mittelnerv dazu dient, die Blattſpreite zu ſtützen. Die übrigen Blattnerven, die aus der Blattſcheide in die Blattſpreite verlaufen, erleiden an den Blattöhrchen eine 1 Krümmung nach außen. Werden die Blattöhrchen ſehr lang und ſichelförmig, ſo nimmt auch die Krümmung der Blatt⸗ nerven eine ſichel⸗ oder hakenförmige Ge⸗ ſtalt an. Fig. 9 zeigt bei o die Blatt⸗ öhrchen der zweizeiligen Gerſte, Hordeum distichum. Sie ſind hier ſo geſtellt, daß ſie einen ganzen und einen halben Schraubengang um die Achſe des Halmes bilden. Man kann ſich der Vermutung nicht erwehren, daß hierdurch ein. federnder Verſchluß am vboren Ende der lrerhe Renterhzehen Blattſcheide zu ſtande kommt, der die her⸗- Au der Ste od die lattitheide 8 vorwachſenden Blätter und Blütenſtände laden adeene arn derfditede aufrecht hält und zugleich verhindert, Vlarlöhe hen ee Gree natür⸗ daß Tau⸗ und Regenwaſſer hineinläuft.
Obgleich Blatthäutchen und Blattöhrchen nur kleine und unſchein— bare Teile des Blattes ſind, ſo iſt es doch ſehr merkwürdig, daß ſie bei verſchiedenen Grasarten verſchieden geſtaltet, aber bei jeder ſpeziellen Art immer in derſelben Form gebildet werden, ſo daß man häufig an ihnen die Grasart mit Sicherheit erkennen und von anderen Arten unterſcheiden kann, ſo z. B. Gerſte von Hafer, und Roggen von Weizen. Die Sichelhaken der Blattöhrchen ſind nämlich bei der Gerſte und dem Weizen ſehr groß, bei dem Roggen klein, und bei dem Hafer fehlen ſie gänzlich.(Vergleiche Fig. 6 und 9.) Hiernach hat es keine Schwierigkeit, ein Gerſtenfeld von einem Haferfeld und ein Roggen⸗ feld von einem Weizenfeld zu unterſcheiden, wenn auch die Ähren noch in den„Hoſen,“ d. h. in den Blattſcheiden ſtecken.
4. Blüte und Blütenſtand. Bei den Gräſern giebt es hauptſächlich zwei Formen des Blütenſtandes: die Ahre und die
iſpe.
Beide Formen finden wir bei den wildwachſenden Gräſern eben⸗


