6 Erſter Abſchnitt. Einleitende Betrachtungen.
hervorbrechen, die bei aufrechtſtehenden Halmen jedoch nur an den unteren Gliedern zur Entwickelung gelangen, ſo können wir ſagen: Alle Neubildung von Organen ſtützt ſich auf den Halmknoten.
Dementſprechend iſt gerade an dieſem Punkt des Grashalmes für eine ausgiebige Zufuhr von Verbrauchsmaterial geſorgt, indem die Gefäßbündelſtränge, die zum Trans⸗ port des Materials dienen, in dem Halmknoten ſich netzförmig kreuzen.
An der Querwand, die den Halmknoten bildet, iſt der Halm hart, feſt und ſolid. Aber un⸗ mittelbar über der Querwand iſt er weich und ſchwach, beſonders zur Zeit des Schoſſens, weil an dieſer
Fig. 6. Gemeiner Riſpenhafer, Avena sativa. Fig. 7. Aufrichtung des
Aus der Blattſcheide s iſt das links daneben Halmes a durch den Blatt⸗ ſtehende Halmſtück herausgezogen. b iſt das voll⸗ knoten k. Zweizeilige Gerſte, ſtändige Blatt mit allen ſeinen Teilen: k Blatt⸗ Hordeum distichum.
knoten, s Blattſcheide, h Blatthäutchen, sp Blatt⸗ ſpreite. 1½ der natürlichen Größe.
Stelle das Wachstum des Halmgliedes vor ſich geht. Um das Um— knicken und Abbrechen zu verhüten, iſt jedes Halmglied durch die Blattſcheide verſtärkt und namentlich trägt der Blattknoten, der die ſchwache Stelle wie ein übergeſchobener und am unteren Rande an⸗ gelöteter Ring umſchließt, ſehr weſentlich zur Feſtigkeit des Halmes bei. Die Natur hat hier ein Werk von wunderbarer Zweckmäßigkeit zu ſtande gebracht. Kein Künſtler vermag eine Säule herzuſtellen, die ebenſo tragfähig und zugleich ebenſo biegſam und elaſtiſch wäre, wie ein Grashalm. Iſt ſchon der röhrige Halm ein Kunſtwerk von höchſter Vollkommenheit, ſo erregt namentlich die Art und Weiſe, wie die einzelnen Glieder des Halmes aufeinandergeſetzt und durch den


