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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
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1. Die Getreidearten gehören in die Familie der Gräſer oder Gramineen. 5

kurze Zeit vor und nach der Blüte ſüß ſchmeckt. Sehr reich an Zucker ſind die Maisſtengel. Am meiſten ausgezeichnet aber iſt in dieſer Beziehung das Zuckerrohr, das ebenfalls zu den Gräſern und auch zu den Kulturgewächſen, aber nicht zu den Getreidearten gehört.

Im allgemeinen hat der Halm der Gräſer den Zweck, die Blätter, Blüten und Früchte zu tragen; doch zeigen ſich in Bezug auf die Verrichtung, ſowie in Bezug auf die Zahl und Anordnung der Halme bei den verſchiedenen Grasarten erhebliche Verſchiedenheiten, die wir weiter unten näher betrachten werden, wenn wir auf die Gegenüber⸗ ſtellung von Gras und Getreide zu ſprechen kommen.

3. Blatt. Das Blatt der Gräſer beſteht aus zwei Haupt⸗ teilen, nämlich aus der Blattſcheide und der Blattſpreite.

Die Blattſcheide iſt der untere Teil des Blattes, der den Halm röhrenförmig umgiebt. Indeſſen iſt die Scheide nur bei einigen wenigen Gräſern, wie z. B. bei dem Knaulgras, wirklich geſchloſſen; bei den meiſten erſcheint ſie der Länge nach aufgeſchlitzt. Der Schlitz kommt dadurch zu ſtande, daß die beiden Ränder des Blattteiles, der die Scheide bildet, nicht mit einander verwachſen. Der Schlitz iſt bei manchen Gräſern ganz oder wenigſtens am oberen Ende deutlich ge⸗ öffnet, bei andern iſt er gedeckt, indem die Blattränder übereinander⸗ greifen.

Da die Blattſcheide den Halm in der Regel feſt umſchließt, ſo verſtärkt ſie ſeine Steifigkeit und Widerſtandsfähigkeit gegen Wind⸗ bruch. Außerdem dient ſie der wachſenden Halmſpitze, namentlich auch der jungen Blüte, zum Schutze gegen Froſt ꝛc., indem die jungen Triebe innerhalb einer älteren Blattſcheide emporgeſchoben werden.

Den Fuß der Blattſcheide bildet der Blattknoten. Man muß nämlich zwiſchen Blattknoten und Halmknoten unterſcheiden. Der Halm⸗ knoten iſt die Querwand, die je zwei Glieder des Halmes von einander trennt und miteinander verbindet. Der Blattknoten dagegen, den man gewöhnlich für den Halmknoten anſieht, iſt die ringförmige Ver⸗ dickung an dem unterſten Teil der Blattſcheide. Daß ſich die Sache wirklich ſo verhält, davon kann man ſich leicht überzeugen. Wenn man nämlich den Halm unmittelbar unter dem Blattknoten durch⸗ ſchneidet, ſo trifft man die Querwand, die wir Halmknoten nennen. Macht man nun noch einen oder zwei dünne Querſchnitte, die den unteren Rand des Blattknotens treffen, ſo kann man das ganze Blatt ſamt Scheide und Knoten von dem Halme abſtreifen. Fig. 6 zeigt ein Halmſtück a des Riſpenhafers, Avena sativa, das aus der Scheide s herausgezogen iſt. b iſt das vollſtändige Blatt mit allen ſeinen Teilen. Man ſieht deutlich, daß der Blattknoten k einen Teil des Blattes ausmacht.

Der obere Teil des Halmknotens, der ſich dicht unter dem Blattknoten befindet, iſt der wichtige Punkt, der die jungen Halm⸗ glieder, Blätter und Blüten emporſchiebt. Dieſer Punkt beſitzt zugleich die Fähigkeit, Seitenzweige zu treiben. Und da unmittelbar über dieſem Punkt, d. h. am Fuße des Halmgliedes, auch die Wurzeln