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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
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4 Erſter Abſchnitt. Einleitende Betrachtungen.

oder bräunlichen ſchuppen⸗ oder ſcheidenförmigen Niederblätter, die wir regelmäßig an jungen Rhizomen ¹), niemals aber an den echten Wurzeln bemerken. Auch fehlen an den Scheinwurzeln regelmäßig die Wurzelhaare. Ebenſo fehlt ihnen die Wurzelhaube. Um im Boden vordringen zu können, ſind ſie mit einer harten Spitze aus⸗ gerüſtet, die z. B. bei der Quecke ſcharf iſt wie ein Dorn.

In Fig. 5 iſt ein Stück einer Scheinwurzel der allbekannten Quecke dargeſtellt. Man ſieht die ſchuppenförmigen Nieder⸗ blätter b, die bei I, wo der Queckenſtrang aus dem Boden heraus an das Licht tritt, zu vollkommenen Laubblättern werden. Man ſieht auch die echten Wurzeln w, die viel dünner ſind als die Schein⸗ wurzel.

2. Stengel. Der Stengel wird bei dem Getreide, wie bei den übrigen Gräſern, gewöhnlich Halm genannt, wie ſchon die Ausdrücke: Grashalm, Strohhalm, Halmfrucht beſagen. Der Halm zeigt, äußerlich be⸗ trachtet, bei allen echten Gräſern eine Anzahl Knoten, an denen die Blätter entſpringen. Im Innern iſt der Halm an den Knoten mit einer Querwand ge⸗ ſchloſſen. Die Halmſtücke zwi⸗ ſchen den Knoten ſind bei den meiſten Gräſern hohl oder röhrenförmig, bei einigen da⸗ Fig. 5. Gemeine oder kriechende Quecke, Triticum gegen, wie 3. B. bei dem Mais,

repens. das Rhizom, an den Knoten mit. 5 Niederblättern b beſetzt, die bei 1, wo der Quecen⸗ mit Mark ac. gefüllt.

ſtrang an das Licht tritt, in vollkommene Laub⸗ Doer S;7; blätter übergehen. a Seitenäſte des Rhizoms;. Der knotige Halm iſt ein ww Wurzeln. 1%½ der natürlichen Größe. wichtiges Kennzeichen, denn wir

können an ihm die echten Gräſer, Süßgräſer oder Gramineen leicht und ſicher unter⸗ ſcheiden von den Scheingräſern, Sauergräſern oder Cyperaceen (Binſen, Simſen, Seggen ꝛc.), deren Halm keine Knoten trägt. Der Name Süßgräſer, der alſo auch für die Getreidearten gilt, iſt inſofern bezeichnend und zutreffend, als ihr Halm, beſonders ¹) An älteren Rhizomen vergehen die Niederblätter oft ganz; daß ſie aber auch hier urſprünglich vorhanden waren, beweiſen die Narben, die ſie zurücklaſſen.