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II. Die Weberkarde.
§. 822. Die Weberkarde, Kardendiſtel, Dipsacus ful- lonum, wird in den Tuchfabriken und Manufakturen zum Aufkratzen der wollenen Fabrikate, Behufs des gleichen Strichs der Haare ſtark gebraucht. In Gegenden, wo viele ſolcher Fabriken exiſtiren, kann deßhalb der Anbau der Weberkarde auch recht eintraͤglich ſeyn, zumalsda derſelbe leicht und ein⸗ fach iſt, auch dem Lande nur wenig Kraſt durch den Kar⸗ denbau entzogen wird. Sie wird unter Andern um Nürnberg und Bamberg, neuerer Zeit auch in Würtemberg ſtark gebaut. Sehr ſtark wird deren Anbau im ſüdlichen Frankreich betrieben. §. 823. Die Karden kommen im nicht zu trocknen Sande, wie im Lehmboden gut fort, beſonders aber in gutem Mit⸗ telboden; auch lieben ſie ſehr einen kalkhaltige Boden. Die Vorbereitung des Bodens ſoll ungefahr wie zu Gerſte ſeyn. Alte Kraft iſt beſſer, als friſche Düngung; fehlt es aber an jener zu ſehr, ſo wird mit verrottetem Miſte mäßig ſtark gedüngt. §. 824. Man ſaͤt den Saamen entweder direct auf das Feld oder auf Saamenbeete, um zu verpflanzen. Das Letz⸗ tere geſchieht am haͤufigſten. Der Saame wird zu dem Ende im Fruͤhjahr zeitig auf gut vorbereitete Beete geſaͤt und die jungen Pflanzen werden hier bis zum Sommer rein gehal⸗ ten. Ende Juli bis Mirte Auguſt wird verpflanzt in 2 Fuß entfernten Reihen, auf kraͤftigem Boden etwas weiter, auf ſchwachem etwas enger. Man kann wie beim Tabak(§. 810) entweder ſchmale Beete wählen oder in näher zuſammenſtehenden Doppelreihen pflanzen. Man kann die Pflanzung nach Wintergerſte, Roggen, Raps, Frühkartoffeln, Wickfutter, einmal geſchnittenem Klee ꝛc. folgen laſſen. §. 825. Hat man ein im Frühjahr ſchon gehörig vor⸗ bereitetes Land, ſo kann der Kardenſaamen unmittelbar auf's Feld in der erforderlichen Entfernung gelegt, oder auch(was


