Teil eines Werkes 
1. Band, Pflanzenproductionslehre, 1. Abtheilung (1841) Allgemeiner Pflanzenbau
Entstehung
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Wetter die reifen Früchte lieber einige Tage länger auf dem Halme ſtehen.

Die Erndte etwas vor der völligen Reife zu beginnen, iſt noch beſondere Regel für größere Wirthſchaften, welche nicht ſo viel Ar⸗ beiter haben, um in kurzer Zeit das angefangene Geſchäft beendigen zu können.

III. Das Abbringen.

§. 617. Zum Abbringen der Erndte bedient man ſich, ausgenommen die Gewächſe, welche ausgezogen oder bei denen die Wurzeln geerndtet werden, der Sichel, der Senſe und der Hauſichte(des Sichets).

Meiſtens braucht man mehrere dieſer Werkzeuge nebeneinander,

in manchen Gegenden kennt man aber nur eins davon und bringt Alles damit ab.

§. 618. Die Sichel hat zum Vorzug: 1) daß die damit abgebrachte Frucht geordneter zu liegen kömmt und deßhalb leichter rein auszudreſchen iſt; 2) daß am wenigſten Halme und Aehren auf dem Felde verſtreut werden; 3) daß insbeſondere ſtark gelagertes und verworrenes Getreide mit geringerem Verluſte geſchnitten werden kann; 4) daß Weiber und ſelbſt ſtärkere Kinder damit arbeiten können; 5) daß bei überreifen oder an ſich ſehr leicht ausfallenden Fruͤchten ein ſtarker Körnerausfall am eheſten vermieden werden kann.

§. 619. Die Senſe gewährt den Vortheil, daß die Arbeit etwa halb ſo hoch oder ſelbſt noch niedriger, als beim Schneiden kömmt, daß die Erndte ſchneller abgefertigt werden kann und das Stroh näher am Boden abkömmt. Das Abbringen mit der Senſe erfordert aber gut eingeübte Arbeiter und zweckmäßige Geſchirre, und iſt um ſo ſchwerer, je höher die Frucht gewachſen iſt; endlich muß auch nach dem Aufbinden das Feld mit dem Hungerrechen überfahren werden.

Ein geſchickter Mäher bringt in einem Tag 1 ½ bis 2 ½˖ M. und zuweilen noch mehr ab, während man zum Schneiden eines