294 I. Rothwendigste Vorbereitungen.
§. 614. Damit das wichtige Geſchäft der Erndte in keiner Art geſtört und aufgehalten ſei, müſſen da, wo man in Strohbande bindet, zu gelegener Zeit vorher die erforder⸗ lichen Garbenbande angefertigt werden; die Scheunen müſſen einige Zeit vor Beginn der Erndte gereinigt und ausgelüftet worden ſein; das Arbeits- und Fuhrgeſchirr muß gehörig in Stand geſetzt ſein; vorzüglich aber muß man ſich der erforderlichen Zahl guter Arbeiter in Zeiten verſichert haben.
II. Wahl des richtigen Zeitpunkts.
§. 615. Die Wahl des rechten Zeitpunktes iſt in ſo
ferne von beſonderer Wichtigkeit, als davon der größtmög⸗
lichſte Gewinn in der Quantität und Qualität der Erndte
weſentlich abhängt. Im Allgemeinen gilt bei allen Kör⸗
nerfrüchten als Grundſatz, daß es, abgeſehen von der
Witterung, vortheilhafter ſei, den höchſten Grad der Reife
nicht abzuwarten, ſondern die Erndte zu beginnen, bevor
der Halm völlig abgeſtorben iſt und die Körner zwar nicht
mehr ſehr weich, jedoch auch noch nicht ganz hart gewor⸗ den ſind.
Man verliert dadurch nichts an der Qualität, gewinnt aber in der Quantität, indem weniger Körner durch's Ausfallen verloren gehen; auch behält das Stroh einen höheren Futterwerth.— Bei Hülſen⸗ früchten, Raps und andern Früchten, welche ungleich reifen und gerne ausfallen, ſetzt man ſich großem Schaden aus, wenn man mit dem Abbringen zu lange zögert. §. 616. Da gute Witterung ein ſo weſentliches Be— duͤrfniß für eine gute Vollbringung der Erndte iſt, ſo muß man ſich in dem Beginn der letztern, außer dem Grad der Neife der Früchte, noch beſonders nach der Witterung richten.
Man ſchreite zu dem Ende einige Tage fruͤher zur Erndte, als es nach dem Zuſtande der Körner eigentlich ſein ſollte, wenn das Wetter günſtig iſt; laſſe dagegen bei ungünſtigem


