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Resultate der Versuche über Erzeugung und Gewinnung des Düngers : wie solcher unter bestimmten Verhältnissen aus Futter und Einstreu bei Haltung der Pferde, des Rindviehes und der Schaafe entsteht ; nebst einer Berechnung oder Ausmittelung des Gewichts und Maaßes von denjenigen ländlichen Erzeugnissen, welche zur Ernährung der Thiere und Erzeugung des Düngers am gewöhnlichsten angewandt werden ; desgleichen Versuch zu einer Werths-Vergleichung der vorzüglichsten Ackerbau-Erzeugnisse nach Roggen-Körner-Werth, wie solche ... bei dem Gute Schierau angenommen und berechnet werden / vom Königl. Amts-Rathe Block. Mit einem Vorw. und Anm. vom Staats-Rathe Thaer
Entstehung
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Der Strohhaͤckſel wird daher wohl fuͤr die mehreſten Wirthſchaften anraͤthlich bleiben, und nicht leicht ohne Nachtheil, ſo lange wir uns beſtreben, jedem Produkte den hoͤchſten Werth zu verſchaffen, ganz zu entbehren ſeyn, ſo vortheilhaft auch ſolches einerſeits fuͤr manche Wirthſchaften, wo ſtarker Hackfruchtbau getrieben, und die Thiere mit kraft⸗ und ſaftreicher Nahrung ernaͤhrt werden, fuͤr die Duͤngerſtaͤtte oft ſeyn wuͤrde, weil bei einer ſtarken Haͤckſel⸗ oder uͤberhaupt zu ſtarken Strohfutterung, naͤmlich bei einer zu ſtarken ſaftreichen Futterung und uͤbertriebenen Viehſtapels, wo in der Wirthſchaft das richtige Verhaͤltniß zwiſchen Stroh

und Futter, oder Getreidebau und Viehzucht nicht ſtatt findet, derſelben zu viel vom noͤthigen

Einſtreuſtroh entzogen wird, welches aber bei kraftvoller Futterung um ſo unentbehrlicher iſt. Bei Mangel der Einſtreu gebricht uns das hoͤchſt nothwendige Vehikel zum Duͤnger, von wel⸗ chem derſelbe die Eigenſchaft, wenn auch nur mittelbar erhaͤlt, ſeine vollkommene Wirkung zu leiſten, es ſpielt alſo auch hier das Stroh bei Erzeugung des Duͤngers, ſo wie bei der thieri⸗ ſchen Ernaͤhrung wenigſtens im allgemeinen, auch ohne ſonderlich bei ſich habende Nah⸗ rungskraft dennoch eine bedeutende Rolle. Der goldene Mittelweg, welcher den forſchen⸗ den betriebſamen Landwirth mitten durch Getreide⸗, Futterfelder und bebaute Weiden zu dem richtigen Verhaͤltniß der erforderlich anzubauenden Fruͤchte fuͤhrt, und ihm den Bedarf der noͤ⸗ thig zu haltenden Thiere lehrt, wird daher wohl ſtets der beſte ſeyn, auf welchem wir am naͤheſten im Verhaͤltniß unſerer Scholle Erde und der darauf verwendeten Kraft, das vorgeſteckte Ziel wenn auch nicht ſo raſch und leicht, wie wir oft jugendlich traͤumen, jedoch endlich, wenn auch muͤhſam, doch aber lohnend erlangen.

Zu den Berechnungen uͤber die Gewinnung des Duͤngers bemerke, daß man bei Ver⸗ ſuchen und Nachberechnungen im Großen, bei ganzen Ernten, wo man mit Genauigkeit be⸗ ſtimmen kann, welche Maſſen zu Futter und Einſtreu verwendet werden, dennoch groͤßtentheils ein bedeutenderes Minus des von Futter und Einſtreu gewonnenen Duͤngers finden wird, als jene Berechnungen daruͤber nachweiſen. Die Urſachen des groͤßern entſtandenen Minus, oder weniger erhaltenen Duͤngers bitte ich dann, in denen bei der Berechnung uͤber Duͤngererzeu⸗ gung gemachten Bemerkungen aufzuſuchen, und fuͤhre nur beilaͤufig an, daß ſo nützlich und von hohem Werthe eine gute, zweckmaͤßige Duͤngerſtaͤtte in einem Wirthſchaftshofe auch iſt, ſie dennoch, bei einer nicht richtigen Anwendung, ſehr nachtheilig und duͤngerraubend fuͤr den Ackerbau werden kann. Ich habe hieruͤber manche Verſuche, aber auch ſo manche Fehler, ſowohl in der Bereitung als Anwendung des Duͤngers in meiner 3ojaͤhrigen Praxis als Land⸗ wirth gemacht, und geſtehe offenherzig, daß ich in den letzten 6 Jahren uͤber dieſen hoͤchſt⸗ wichtigen Gegenſtand erſt mit mir ſelbſt einig geworden bin, und die fruͤhern oft begangenen Mißgriffe zu vermeiden gelernt habe. 3