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Resultate der Versuche über Erzeugung und Gewinnung des Düngers : wie solcher unter bestimmten Verhältnissen aus Futter und Einstreu bei Haltung der Pferde, des Rindviehes und der Schaafe entsteht ; nebst einer Berechnung oder Ausmittelung des Gewichts und Maaßes von denjenigen ländlichen Erzeugnissen, welche zur Ernährung der Thiere und Erzeugung des Düngers am gewöhnlichsten angewandt werden ; desgleichen Versuch zu einer Werths-Vergleichung der vorzüglichsten Ackerbau-Erzeugnisse nach Roggen-Körner-Werth, wie solche ... bei dem Gute Schierau angenommen und berechnet werden / vom Königl. Amts-Rathe Block. Mit einem Vorw. und Anm. vom Staats-Rathe Thaer
Entstehung
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demungeachtet ohne Haͤckſel, aber bei hinlaͤnglichem Heu und Stroh ebenfalls geſund naͤhren und halten kann, deſſen bin ich gewiß, aber fuͤr vortheilhaft halte ich dieſe Anwendung der Kartoffelfutterung nicht, weil mir eine langjaͤhrige Erfahrung und viele Verſuche mit und ohne Haͤckſel, bei der Ernaͤhrung der Kuͤhe, Pferde, Ochſen und Schaafe dagegen ſpricht. Als Be⸗ lag des Geſagten fuͤhre ich an: daß bei einer Schaafheerde, welche Mangel an kraftvollem Futter, z. B. Mangel an Heu und Wurzelfruͤchten leidet, aber hinlaͤnglich Stroh hat, es ſchon eine ſehr bemerkbare Unterſtuͤtzung und Aushuͤlfe iſt, wenn dem Schaafe eine taͤgliche Zulage von Pfund Gerſtenſchroot oder Mehl in ½ Pfund Waſſer aufgeloͤſt, ½ Pfund Kartoffeln und ½ Pfund Roggenhaͤckſel, alles in einem gut gemiſchten Zuſtande gegeben wird. Nur durch die Beimengung und Beibringung des Haͤckſels und des Waſſers leiſtet das halbe Pfund Kartoffeln und x Pfund Gerſtenſchroot ſeine volle Kraft. ½ Pfund Gerſte enthaͤlt 5 ½ Cubikzoll und ½ Pfd. Kartoffeln 151 Cubikzoll, dieſe 20 ¾ Cubikzoll Futter allein, ohne Beimengung von Haͤckſel dem Schaafe gegeben, bringt eine kaum bemerkbare Wirkung hervor, wenn auch gleich dem Schaafe nach dem Genuſſe der Kartoffeln und des Gerſtenſchrootes das halbe Pfund Stroh, wovon bei obiger Futterung der Haͤckſel entſtanden, vorgelegt wird. Durch den Haͤckſel wurde das Volu⸗ men von obigem Futter um 105 Cubikzoll, ſo wie das Gewicht deſſelben inel. des Waſ⸗ ſers um 1 Pfund vermehrt, auch uͤberhaupt durch das Miſchungsverhaͤltniß dem Schaafe das Futter weit nahrungsfuͤhiger gemacht. Das Verhaͤltniß des Haͤckſels zu Kartoffeln iſt bei obiger Futterung nur wegen Mangel an nahrungsreichem Futter ſo bedeutend groß angenom⸗ men, und keinesweges einer gut geordneten Wirthſchaft zu empfehlen, indem ½ Pfund Hackſel zu 1 Pfund Kartoffeln das richtigere Verhaͤltniß iſt.

Ferner iſt es ein großer Unterſchied, ob das Schaaf 3 Pfund Kartoffeln im zerſchnitte⸗ nen Zuſtande die 93 Cubikzoll meſſen, im zermalmten Zuſtande aber, wie ſolche den Schlund des Schaafes paſſiren, nur 51 Cubikzoll enthalten, allein ohne alle Beimengung oder mit 2 Pfund Häͤckſel angemengt erhaͤlt, wodurch das Futter⸗Volumen um 128 Cubikzoll ſich vergroͤ⸗ ßert, und die Kartoffel, als ein ohnehin fuͤr das Schaaf zu ſaftreiches Futter⸗Surrogat, un⸗ ſchaͤdlicher, verdaulicher und nahrungsfaͤhiger gemacht wird.

Nicht die Feuchtigkeit der Kartoffel, als einfaches Waſſer betrachtet, ſondern eine be⸗ ſondere Eigenſchaft des rohen Kartoffelſaftes iſt es, welche wir noch nicht hin⸗ langlich kennen, und bei einer ſtarken Futterung oft hoͤchſt nachtheilig auf hochtragendes Kuh⸗ und Schaafvieh wirkt. Die Kartoffel hat dieſe nachtheilige Eigenſchaft nicht immer in ein und demſelben Grade bei ſich, ſondern es häͤngt das mehr oder minder von der Beſchaffenheit der Erde, ſo wie auch von dem Jahrgange ab, worinnen ſie gewachſen iſt.