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Gegenwärtiger Standpunkt der Theorie über den Ertrag und die Erschöpfung der Ernten im Verhältniss zu der Thätigkeit und dem Reichthum des Bodens / Von Herrn Thaer
(Vorgelesen den 3. Februar 1814)
Entstehung
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15.

Der wesentlichste Nahrungsstoff, welchen die Pflanzen aus dem Bo- den ziehen, giebt ihnen der darin enthaltene vegetabilisch- animalische Mo- der(humus). Selbst die Erden, welche die Pflanzen als integrirende Theile in geringem Verhältnisse zu ihrer Masse enthalten, giebt ihnen der Humus in fein auſgelöseter Gestalt, in so fern sie nicht wie es Saussure's und unsers Schrader's Versuche wahrscheinlich machen durch den le- benden Organismus der Pflanzen aus entfernteren elementarischen Stoffen ge- bildet werden.

16.

Der Humus erleidet im Boden eine successive und mannigfaltige Veränderung, geht aus einer feinfasrigen Gestalt, wo wir ihn doch schon Humus nennen, in die eines feinen Pulvers über, löset sich in Extractiv- Stoff und Kohlensäure auf; oder er verkohlt sich, oder geht in einen sau- ren Zustand über; in welchen letztern Fällen er schwer zersetzbar oder doch zur Nahrung der meisten Pflanzen untauglich zu werden scheint.

Wahrscheinlich ist es, daſs er nur in der Gestalt des Extractivstoffs und der Kohlensäure in die Pflanzen übergehen und zu ihrer Nahrung die-

nen mag.

17. In beide Materien zersetzt sich der Humus nur durch den Zutritt der atmosphärischen Luft oder des Sauerstoffs, wie besonders Saussure

dargethan hat.

18.

Je stärker die Berührung jener, besonders bei höherer Temperatur und dem Zutritte des Lichts ist, desto schneller und stärker ist die Erzeu- gung jener Materie.

Diese Berührung und Einwirkung ist aber stärker im lockern sandi- gen Boden, als im gebundeneu thonigten; stärker im trocknen als im nas- sen; stärker in dem den Sonnenstrahlen stark ausgesetzten, als im beschat- teten. Deshalb erfolgt der Uebergang des Humus in eigentlichen Nahrungs- stoff, welcher die zeitige Fruchtbarkeit des Bodens ausmacht, schneller in jenen als in diesen Bodenarten.

19. Den