Druckschrift 
Gegenwärtiger Standpunkt der Theorie über den Ertrag und die Erschöpfung der Ernten im Verhältniss zu der Thätigkeit und dem Reichthum des Bodens / Von Herrn Thaer
(Vorgelesen den 3. Februar 1814)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

über den Ertrag und die Erschöofung der Ernten. 3

5) mit mineralischem und kalischem Dünger, ätzendem Kalk, Kreide, Asche, Mergel, Salzen. Dieser stellt die mehrentheils erschöpfte Fruchtbarkeit oft auf eine höchst thätige Weise wieder her; mehr in der Regel auf thonigem und modrigem Boden, als auf sandigem; jedoch nur unter der Bedingung, daſs er nicht mehreremale wieder- holt werde, bevor eine animalisch- vegetabilische Düngung gegeben worden, indem er sonst seine Wirksamkeit verliert, und den Boden in einem höchst erschöpften, kaum durch mehrmalige Mistdüngun- gen wieder empor zu bringenden Zustande hinterlälst.

6.

B) Durch sogenannte Ruhe, eigentliche Berasung des Bodens, welche gewöhnlich durch weidendes Vieh benutzt wird. Man nennt es das Ein- dreischen oder Dreisch. Der Ersatz der Fruchtbarkeit durch diese steht im Verhältnils mit der Stärke und Dichtigkeit der Grasnarbe, die sich darauf erzeugt, und der Nahrung, welche diese dem Weidevieh giebt. Und da diese auf ganz erschöpftem Boden schwach zu seyn pflegt, so ist auf sol- chem auch die Wirkung schwächer. Natürlich richtet sie sich auch nach der Länge der Zeit, worin der Boden so liegt.

7.

G) Durch den Anbau solcher Gewächse, welche nicht viele Nahrung

aus dem Boden zu ziehen scheinen, ihm aber durch den Abkall ihrer Blät-

ter, durch ihre Stoppeln und Wurzeln mehr hinterlassen, als sie auszogen, oder die vielleicht in ihrem saftreichsten Zustande untergepflügt wurden.

8.

D) Durch eine wiederholte und wirksame Bearbeitung des Bodens mit Pflug und Egge, besonders in den Sommermonaten: die eigentliche Bra- che. Sie thut die gröſste Wirkung auf thonigem Boden, verliert selbige jedoch auch auf diesem, wenn sie mehreremale, ohne ein andres Ersatzmit- tel der Fruchtbarkeit zu geben, wiederholt wird. Auf sandigem Boden thut sie geringere Wirkung, ja es ist ihm wovon sich jetzt aufmerksame Be- obachter überzeugt haben schädlich, wenn seine Bearbeitung öfter, als es zur Vertilgung des aufkeimenden Unkrauts nöthig ist, wieder- holt wird.