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den Gebirgen von mittlerer Höhe, ſo z. B. in dem Gebirgszuge des Thüringer Waldes und des Erzgebirges.
Auf fruchtbarem Boden, in Niederungen oder Ebenen, wird ſtets die Gewinnung der werthvollſten, dem Menſchen zur Nah⸗ rung oder Kleidung dienenden Rohproducte des Vegetationspro⸗ ceſſes die Hauptbeſchäftigung der Bevölkerung ſein. Man beſtellt Felder und Gärten, ſelbſt Wieſen und Holzzucht werden in ſol⸗ chem Terrain mehr und mehr auf ein Minimum des Bedarfs zurückgedrängt. Nicht leicht wird da eine Induſtrie erblühen, welche ſich mit der weitern Verarbeitung dieſer Rohproducte be— ſchäftigt, das iſt nur dann der Fall, wenn andere Bodenbedin⸗ gungen ſich zu den genannten geſellen, z. B. ausgezeichnete na⸗ türliche Verkehrswege, billige Waſſerkraft, Kohlen oder Metall⸗ lagerſtätten. Aber von dieſen innern Bodenſchätzen ſehen wir hier einſtweilen ab.
Die blos fruchtbaren Gegenden ſind deshalb ſelten übervöl— kert, ſie produciren mehr Nahrungsſtoffe, als ſie conſumiren, die Verkehrswege ſind einfach, der Verkehr iſt kein lebhafter. Die Bedürfniſſe, und in Folge davon auch die Geſinnungen ſind conſervativ. Die politiſchen und ſocialen Einrichtungen bedürfen keines ſchnellen Wechſels, neue Ideen finden nur langſam Ver⸗ breitung und Anklang. Die ackerbauende Bevölkerung iſt zu⸗ frieden, ſolange ihr nicht neue Abgaben auferlegt werden, und wird ſie durch dieſe unzufrieden, ſo bezieht ſich die Unzufrieden⸗ heit eben nur auf die Abgabenerhöhung, dieſe wie jede Neuerung iſt verhaßt.
Aehnliche Bedingungen wiederholen ſich in den ſehr hohen Ge⸗ birgsgegenden, die, wenn auch nicht beſonders fruchtbar, dennoch durch ihren Bodenbau der Induſtrie unzugänglich ſind, und wo deshalb eine dünne Bevölkerung vorzugsweiſe von Viehzucht lebt. Wir finden in Deutſchland dieſen Zuſtand ganz beſonders in Ti⸗ rol, jenen in Pommern.
Das ſind zwei Gegenſätze äußerer Bodengeſtaltung, die in ihren Wirkungen beinahe übereinſtimmen. Dieſe Gegenſätze wer⸗ den vermittelt durch fruchtbares Berg⸗ und Hügelland. Auch


