reellen Ziele zu gelangen, überall die beſondere Zuſammenſetzung der Geſteine und Formationen, ihre Lagerung, die Umſtände, un⸗ ter denen ſie auftreten und die Veränderungen, welche ſie erlitten haben, gehörig beachten; der bloße Name, das Alter, die Entſte⸗ hungsweiſe für ſich allein genügen nicht.
§. 881.
Nach dieſer Bemerkung über Einiges, was unſere Lehre nicht leiſten kann, wende ich mich Dem zu, was ſie zu leiſten vermag.
Ganz allgemein befördert ſie zunächſt eine richtige Erkennt⸗ niß der natürlichen Hülfsquellen der Länder und ihrer Verthei⸗ lung. Sie zeigt, wie dieſe gegenſeitig ineinandergreifen, welche vorzugsweiſe und zum Theil ſogar wie ſie auszunutzen ſind. Der Bodenbau iſt etwas im Weſentlichen unveränderlich Gegebenes, über ihm bewegt ſich das organiſche Leben vergleichbar einer von den innern Verſchiedenheiten ungleich angezogenen Fllüſſigkeit. Wenn man ihn ſtudirt, ſo kann es nicht in der Abſicht geſchehen, ihn zu ändern, ſondern nur um ihn kennen zu lernen und mög⸗ lichſt zweckmäßig auszunutzen. Die meiſten Regierungen cultivir⸗ ter Staaten haben dieſe Wahrheit anerkannt und zu dieſem Zwecke geologiſche Unterſuchungen angeordnet. In den Vereinigten Staa⸗ ten Nordamerikas läßt es die Regierung ſogar faſt ihre erſte Sorge ſein, von den noch freien Gebieten geologiſche Karten herzuſtellen, bevor ſie den Coloniſten abgetreten werden. Die geologiſche Karte bildet dann einen der Factoren für die Werth⸗ beſtimmung der Ländereien. In Weſteuropa iſt die Geologie für ſolche Anwendung zu ſpät reif geworden, die vom innern Bau abhängigen Unterſchiede ſind hier meiſt thatſächlich erkannt und berückſichtigt worden, ehe man ihre Urſachen kennen lernte, aber das Erkennen der Urſachen wird trotzdem noch manchen Vortheil herbeiführen und manchen Misbrauch verhindern können, inſofern es zum Nachdenken über die zweckmäßigſte Weiſe der Ausnutzung anregt.„Nur auf die Diagnoſe kann die Heilung folgen“, ſagt Riehl.


