Teil eines Werkes 
Abth. 2 : Holzkenntniß und Holzerziehung (1829) Das forstliche Verhalten der deutschen Waldbäume und ihre Erziehung / von W. Pfeil
Entstehung
Seite
1
Einzelbild herunterladen

Einleitung.

1.

J mehr die Bevoͤlkerung ſteigt, deſto mehr muͤſſen die Waͤl⸗ der verſchwinden, denn jede neu zutretende Familie fordert den Grund, auf welchem ſie ihr Brod erbauen kann. Je kleiner die Forſten werden, deſto mehr ſteigen die Anſpruͤche, welche man an ſie macht und machen muß, da die kleinere Flaͤche den Beduͤrfniſſen der groͤßeren Menſchenmenge immer noch genuͤgen ſoll. Den Wald in einen Zuſtand zu bringen, worin er die dauernde Befriedigung dieſer Beduͤrfniſſe gewaͤhrt, iſt der Zweck der Forſtwirthſchaft. Selten wird dieſer Zuſtand ſo ſein, daß er nicht noch verbeſſert werden koͤnnte. Wo die Waͤlder noch ſo groß ſind, daß man ſie ſich ſelbſt uͤberlaſſen kann, ohne je befuͤrchten zu duͤrfen, daß ſie nicht allen An⸗ ſpruͤchen der menſchlichen Geſellſchaft genuͤgen, giebt es we⸗ der eine Forſtwirthſchaft, noch iſt ſie Beduͤrfniß.

Wenn man ſich fraͤgt: wie ſoll der Wald bewirthſchaftet werden? muß man erſt die Frage beantworten: Was ver⸗ langt man vom Walde?

Das kann ſehr verſchieden ſein. Holz, und zwar Brenn⸗ holz, mancherlei Bau⸗ und Nutzholz, Baumfruͤchte, Baum⸗ ſaͤfte, Laubſtreu, Weide, Schutz gegen Sandwehen, rauhe Winde, Erhaltung der Feuchtigkeit u. ſ. w. In dieſer Ver⸗ ſchiedenheit der Anſpruͤche an den Wald, liegt aber auch die Bedingung des ſehr Abweichenden einer guten Wirthſchaft, die noch dadurch vermehrt wird, daß nach Verſchiedenheit der

1