Bemerkung.
Der Rechenstab wurde von dem englischen Professor der Mathematik E. Gunter zu London im Jahre 1624 im Princip erfunden, später, 1627 von Wingate und weiter 1657 von Seth Partridge verbessert, welcher ihm die in der Hauptsache noch heute übliche Gestalt gab. Neuerdings hat jedoch der Rechenstab in der Hinzufügung des Läufers durch den französischen Artillerie-Lieutenant Mannheim zu Metz eine so wesentliche Vervollkommnung erfahren, dass eigentlich erst von da- an seine so ausserordentlich vielseitige Verwendbarkeit datirt. Der Rechenstab ist in Frankreich und in anderer Gestalt auch in England sehr verbreitet, in Deutschland aber erst neuerdings in Aufnahme gekommen.*) Derselbe konnte bisher jedoch nur aus Frankreich und letzthin längere Zeit hindurch auch von da nicht bezogen werden, bis das mechanisch-mathematische Institut der Herren Dennert& Pape, in Altona(Friedenstrasse), in höchst dankenswerther Weise, trotz mancher entgegenstehender Schwierigkeiten, die Herstellung auch in Deutschland übernahm und somit zugleich Gelegenheit gab, die auf der Rückseite angebrachten Zahlenwerthe dem hier vorkommenden Bedürfnis besser anzupassen und die trigonometrischen Theilungen wesent- lich zu verbessern, indem einmal die Sinusscala(bis 10⁰) durch kleinere Unterabtheilungen vervollkommnet und ferner die Tangentenscala statt bisher für die obere jetzt für die untere Linealscala eingerichtet, mithin zu der doppelten Genauigkeit erhoben wurde.
Halberstadt, im März 1873.
A. Goering,
Baumeister.
*) Die erste Hinweisung auf den Rechenstab dürfte in Deutschland durch die Beschreibung desselben von Redlich in der Zeitschrift fur Bauwesen, Jhrg. 1859, pag. 594, erfolgt sein.— Sodann flndet man das Referat über einen den Rechenstab betreffenden Vortrag von Haeseler im Arch.- u. Ing.-Verein zu Hannover, in dessen Zeitschrift, Jhrg. 1869, pag. 207.
Hamburg. Druck von G. F. Thiele.


