216 Klaſſe der Plattwürmer.
unterſcheiden ſich von der Sporocyste durch eine andere Körperform und durch den Beſitz eines Darmes(mit Mundöffnung, Kropf und Verdauungsdarm, aber ohne After), der der erſtgenannten fehlt. Man nennt ſie„Redien“(Fig. 187 d). In einer Sporocyste bilden ſich deren gewöhnlich 5—8. In der Redie entſtehen wieder Keimzellen, die ſich zu Keimzellhaufen ausbilden, aus denen in der kalten Jahres⸗ zeit neue Redien entſtehen, welche, ganz wie die alten, in der Atmungs⸗ höhle der Schnecke leben, während im Sommer aus den Keimzellhaufen der Redie ſich ſogenannte Cercarien(Fig. 187f) bilden, und zwar 15— 20 Stück innerhalb einer Redie(Fig. 187 e). Dieſe Cercarien haben einen langen Schwanz, mit dem ſie— nachdem ſie die Mutter⸗ redie und zugleich die Schnecke verlaſſen haben— im Waſſer umher⸗ rudern. Sie haben zwei Saugnäpfe und einen zweiäſtigen, afterloſen Darm. Nachdem die Cercarien eine Zeit lang ſich im Waſſer umher⸗ bewegt haben, befeſtigen ſie ſich mit Hilfe ihrer Saugnäpfe an ver⸗ ſchiedenen im Waſſer wachſenden Pflanzen. Nachher verſchwindet der jetzt überflüſſig gewordene Schwanz, die Cercarie wird kugelrund und ſchrumpft innerhalb einer ſich bildenden Hülle zuſammen(Fig. 187 9). Wenn ſpäter die Pfühle, in denn die Cercarien lebten, austrocknen, kommen die früher untergetauchten Pflanzen aufs Trockne und können von Schafen gegeſſen werden, welche alſo mit den Pflanzen auch die
an denſelben befindlichen, kugelig zuſammengeſchrumpften Cercarien in
ſich aufnehmen. Im Darme des Schafes wird die Hülle der Cercarie gelöſt; die letztgenannte ändert ſich allmählich in den jungen Leberegel um, der erſt oval iſt und ſehr klein(Fig. 187 h), deſſen vorderer Drit⸗ teil ſpäter zum ſpitzen vorderen Dreieck des erwachſenen Leberegels wird, während der Hinterteil des Körpers ſtark wächſt. Schon vor⸗ her ſind die jungen Leberegel aus dem Darme in die Gallengänge des Schafes hineingewandert. Es ſcheint, daß das völlige Wachstum der eingewanderten Leberegel in wenigen Wochen ſtattfindet. Die In⸗ fektion der Schafe fällt wohl immer in den Sommer oder in den Herbſt. — Die Fortpflanzung des Leberegels findet alſo mit Wirtswechſel und Metageneſe(S. 14) ſtatt. Aus dem Ei dieſes geſchlechtlichen Wurms entſteht eine Larve, welche frei umherſchwimmt, nachher in der Schnecke ſich in eine ungeſchlechtliche Sporocyste umbildet, welche wieder un⸗ geſchlechtliche Redien zur Welt bringt. In der Redie entſtehen auf ungeſchlechtlichem Wege Cercarien, welche die Schnecke verlaſſen, ins Waſſer wandern, nachher an Pflanzen ſich heften und ſpäter mit dieſen in den Darm des Schafes gelangen. Die Cercarien ſind die Larven des Leberegels und ändern ſich nach Metamorphoſe in dieſe um.
Es erklärt ſich leicht, warum die vom Leberegel verurſachte „Egelkrankheit“ oder„Leberfäule“ der Schafe in einer Gegend viel häufiger als in der andern vorkommt. Zunächſt eignen ſich niedrig gelegene, dann und wann überſchwemmte Wieſen für die Entſtehung der Krankheit, weil die Leberegeleier dort beſſer zur Entwickelung gelangen, auch weil es dort zu gewiſſen Zeiten mehr untergetauchte
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