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Zoologie für Landwirte : Mit 194 Textabb. / von J. Ritzema Bos
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Klaſſe 1. Säugetiere. 21

und Vögel mehr Wärme entwickeln als die Fiſche. Sie haben eine eigene, konſtante Körperwärme, welche bei den verſchiedenen Arten etwas verſchieden iſt, aber gewöhnlich zwiſchen 370 und 40°C. liegt; man nennt ſie warmblütige Tiere.

Bei den Kriechtieren(Fig. 18; Schlangen, Eidechſen u. ſ. w.) ſind die beiden Herzhälften nicht vollkommen geſchieden, indem ſich in der Zwiſchenwand der beiden Kammern eine Offnung befindet. Dadurch miſcht ſich das ſauerſtoffarme Blut der rechten Herzhälfte mit dem ſauerſtoffreichen Blute der linken Hälfte, und zwar in ſtärkerem oder geringerem Grade, je nachdem die Offnung eine größere iſt. Es ſtrömt alſo bei den Kriechtieren kein völlig ſauerſtoffarmes Blut nach den Lungen und ebenſo wenig vollkommen ſauerſtoffreiches Blut nach den anderen Körperteilen. Die Folgen dieſer Einrichtung ſind: 1. daß die Atmung eine ſchwächere iſt, 2. daß auch die Wärmeentwickelung eine ſchwächere als bei den Säugetieren und Vögeln iſt(die Kriechtiere ſind kalt⸗ blütig!) und 3. daß der ganze Stoffwechſel ein langſamerer iſt als bei den warmblütigen Tieren, woraus ſich wieder erklärt, daß die Kriech⸗ tiere in einem beſtimmten Zeitraume weniger Bewegungen vollbringen.

Bei den Lurchen oder Amphibien(z. B. Froſch), ſtehen ehenfalls die beiden Herzkammern miteinander in Verbindung; allein die Offnung in der Zwiſchenwand iſt eine größere als bei den Kriechtieren, es fehlt oft ſogar die ganze Zwiſchenwand(Fig. 19). Es verſteht ſich, daß bei den Lurchen die Miſchung des ſauerſtoffarmen Blutes mit dem ſauerſtoff⸗ reichen eine noch vollkommenere iſt, ſo daß auch dieſe Wirbeltiere kalt⸗ blütig ſind.

Der Kreis der Wirbeltiere umfaßt die Klaſſen I. Säugetiere, II. Vögel, III. Kriechtiere, IV. Lurche, V. Fiſche.

Klaſſe 1. Säugetiere(Mammalia).

Warmblütige Wirbeltiere(S. 20), die gewöhnlich mit Haaren be⸗ deckt ſind und lebendige Junge zur Welt bringen, welche ſie nach der Geburt eine Zeit lang ſäugen, wozu die Weibchen an dem Bauche, an der Bruſt oder an dieſen beiden Körperteilen mit Milchdrüſen verſehen ſind.

Der Bau des Skeletts iſt im großen Ganzen derſelbe wie der des Menſchen, der auf S. 3 bis 6 beſchrieben wurde. In Einzelheiten aber finden ſich große Verſchiedenheiten. Der Schädel iſt verhältnis⸗ mäßig viel kleiner, die Geſichts⸗(namentlich die Kiefer⸗) Knochen ſind gewöhnlich viel größer als am Menſchenkopfe. Die Zahl der Hals⸗ wirbel iſt, wie beim Menſchen, bei allen Säugetieren 7; die Zahl der übrigen Wirbelarten wechſelt bei den verſchiedenen Arten ab. Namentlich kann die Zahl der Schwanzwirbel eine ſehr verſchiedene ſein. Weil die meiſten Säugetiere auf vier Beinen gehen, ähneln ſich die Vorder⸗

und Hintergliedmaßen bei ihnen mehr als beim Menſchen. Bei vielen ſind