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Zoologie für Landwirte : Mit 194 Textabb. / von J. Ritzema Bos
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überſicht über den Körperbau und die Lebenserſcheinungen der Tiere. 9

Muskel ſteht mit einem Nerv in Verbindung, der ſeine feinen Ver⸗

äſtelungen bis an die Faſern ſendet, aus denen der Muskel beſteht. Durchſchneidet man dieſen Nerv, ſo hat der betreffende Muskel ſein Zuſammenziehungsvermögen verloren. Der Nerv aber entſpringt aus den ſogenannten centralen Teilen des Nervenſyſtems, welche bei den Wirbeltieren hauptſächlich aus Gehirn und Rückenmark beſtehen. Der Muskel verliert alſo ſein Bewegungsvermögen, wenn die Ver⸗ bindung mit den centralen Teilen aufgehoben worden iſt. Die eigent⸗ liche Urſache der Bewegung wird in den letztgenannten Teilen geboren. In denſelben entſteht eine gewiſſe, in ihrem Weſen uns unbekannte Umänderung, welche ſich durch den Nerv bis in den Muskel fortbewegt und die Zuſammenziehung desſelben veranlaßt. Die centralen Teile des Nervenſyſtems ſind alſo der Mittelpunkt, das Centrum, von dem der Befehl zum Zuſammenziehen ausgeht; daher alſo der Name. Die Nerven, welche von den centralen Teilen nach den Muskeln verlaufen, heißen Bewegungsnerven.

Es giebt aber noch eine zweite Gruppe von Nerven, die Em⸗ pfindungsnerven, welche aus den Sinnesorganen(Haut, Zungen⸗ und Naſenſchleimhaut, Ohr, Auge) entſpringen und den Eindruck, den ſie mit Hilfe dieſer Sinnesorgane von der Außenwelt empfangen, nach den centralen Teilen fortbewegen. In der beigegebenen ſchematiſchen Fig. 6 bedeutet C die centralen Teile des Nervenſyſtems; BN einen Bewegungsnerv, der ſich in dem Muskel M veräſtelt; GN einen Em⸗ pfindungsnerv, der von der unter der Oberhaut(Oh) gelegenen, von Blut durchſtrömten Lederhaut(Lh) nach den centralen Teilen ſich be⸗ giebt.(Pfeile deuten die Richtung an, in welcher die Eindrücke von den betreffenden Nerven fortgeleitet werden.]

Menſchen und Tiere, welche keine Nahrung aufnehmen, büßen an Körpergewicht ein. Dies kommt daher, daß einige Stoffe den Körper entweder als Gaſe(durch die Lungen) oder als Flüſſigkeiten (durch die Nieren und Schweißdrüſen) verlaſſen, ohne daß für dieſe Stoffe Erſatz kommt. Auf die Dauer würde es ein tieriſcher oder menſchlicher Körper ohne Aufnahme von neuen Stoffen nicht aushalten können. Die Stoffe, welche er zu ſich nimmt, nennt man, je nachdem ſie feſt oder flüſſig ſind, Speiſen oder Getränke. Dieſe Speiſen und Getränke, welche mit wenig Ausnahmen(Salze, Waſſer) dem Tier⸗ und Pflanzenreiche entnommen werden, können aber nicht als ſolche die Stelle der allmählich verſchwindenden Körperſubſtanzen einnehmen; denn ſie enthalten zunächſt unbrauchbare Stoffe, welche im Kote aus dem Körper entfernt werden. Allein auch die brauchbaren Subſtanzen finden ſich im Leibe der Pflanzen oder Tiere nicht immer in der Form, in welcher ſie ſogleich benutzt werden können. Um ſie dazu geeignet zu machen und zugleich die unbrauchbaren Subſtanzen abzuſondern, dient die Verdauung, welche bei allen höheren Tiere im Darmkanale vor ſich geht. Die Einwirkung mehrerer, von Drüſen abgeſchiedener Flüſſigkeiten(Speichel, Magenſaft, Galle u. ſ. w.) zieht die brauchbaren