Druckschrift 
Der Kartoffelbau nach seinem jetzigen rationellen Standpunkte / von Hugo Werner
Entstehung
Seite
171
Einzelbild herunterladen

Die Aufbewahrung der Kartoffeln. 171

ſchwellen doch dieſe Verluſte bei ſchlechter Aufbewahrung zu außer⸗ ordentlich hohen Prozentſätzen an. Die aufbewahrten Kartoffeln werden durch den Sauerſtoffzutritt aus der Luft ſtets eine Ver⸗ ringerung ihrer organiſchen Subſtanz erfahren müſſen, da ſich Kohlenſäure und Waſſer durch die Verbindung der Elemente der organiſchen Subſtanz mit dem Sauerſtoff der Luft bilden, die entweichen. Demgemäß findet ein Zerſetzungsprozeß ſtatt, der ſich auch auf die Proteinſtoffe der Knolle ausdehnt, und der um ſo energiſcher vor ſich gehen wird, je mehr ſich durch das Auskeimen der Knolle die Lebensthätigkeit erhöht.

Nach Artus enthielten Kartoffeln im Herbſt 17 pCt. Stärke, im Mai nur noch 10 pCt.; Boussinggault fand in friſchen Kartoffeln 2,31 pCt., in 10 Monate lang gelagerten 1,75 pCt. ſtickſtoffhaltige Subſtanz. Dieſe ſtets eintretenden Verluſte werden aber weſentlich durch Wärme und Feuchtigkeit im Aufbewahrungs⸗ raume erhöht. Demnach beeinträchtigen die Bedingungen, welche die Lebensthätigkeit der Winterknoſpen anregen, auch den Nähr⸗ ſtoffgehalt der Knollen.

So fand Nobbe, daß ſich bei einer ſechsmonatlichen Auf⸗ bewahrung der Knollen das urſprünglich vorhanden geweſene Stärkemehl von 100 Teilen reduzierte, wenn die Knollen auf bewahrt wurden:

1. kühl⸗hell⸗trocken auf 87,8 pCt. Stärkemehl 2. feucht 65,0 4 3. dunkel⸗trocken 60,4 2 4. feucht 64,6 2 5. warm⸗hell⸗trocken 59,0 G. feucht 50,8 4 7. dunkel⸗trocken 63,9 8. feucht 54, 4

Demnach haben die größte Einbuß ße an Stärkemehl die feucht und warm aufbewahrten Knollen erlitten, die geringſte die hell, trocken und kühl gehaltenen. Ein vermehrter Lichtzutritt ſcheint dagegen keinen beſonderen Einfluß auszuüben.

Wollny*) ſtellte bezüglich der Gewichtsveränderungen

*) Forſchungen auf d. Gebiete d. Agrikulturphyſik. XIV. Bd. Heft 3 u. 4.