200 Anhydrit. Boracit. Aſtrachanit.
4. Der Anhydrit tritt ähnlich dem Polyhalit in Schnüren im unterſten Teile des Steinſalzlagers als dichtes Mineral auf. In den oberen Schichten findet man ihn zuweilen in ſäulenförmigen, rhombiſchen Kriſtallen. Farbe grau bis grau⸗weiß. Chemiſche Formel Ca SOa, er iſt alſo wie der gewöhnliche Gips zuſammengeſetzt, von dem er ſich nur durch das Fehlen des Waſſers unterſcheidet(Gips: Ca SO.+ 2 Ha 0).
5. Der Boracit, borſaure Magneſia mit mehr oder weniger Chlormagneſium, kommt in geringen Mengen in Form von Kugeln von mikroſkopiſcher bis Kopfgröße, ſeltener in Kriſtallen, in der ganzen oberen Schicht des Lagers verteilt vor. Er iſt ein wertvolles Material zur Bereitung von Borſäure und Borax, doch erreicht die jährliche Produktion kaum einige hundert Zentner.
Von den ſeltener vorkommenden Mineralien erwähne ich den Aſtrachanit, nach der Formel Naa SO.+ Mg S0.+ H.à O, aus ſchwefelſaurer Magneſia und ſchwefelſaurem Natron zuſammengeſetzt, außerdem Schwefelkies, welcher in ſehr ſchönen rein würfelförmigen Kriſtallen von zuweilen 1 cm Länge von mir auf Anhydrit auf⸗ gewachſen gefunden wurde, und gediegenen Schwefel in Form von Anflügen und auch in Knauern von Erbſen⸗ bis Bohnengröße.
Ein ſehr ſelten vorkommendes Mineral, welches bisher noch keinen Namen erhalten hat, findet ſich in Form grau⸗grüner Schnüre an manchen Stellen des Leopoldshaller Lagers. Dasſelbe beſteht, ab⸗ geſehen von Verunreinigungen aus Eiſenoxydul und Phosphorſäure, iſt alſo der Blaueiſenerde ähnlich zuſammengeſetzt.
Dies Mineral iſt beſonders deswegen intereſſant, weil man es in urſächlichen Zuſammenhang mit dem oktaödriſch kriſtalliſierten Stein⸗ ſalze bringen kann. Oktaödriſches Kochſalz kannten die Chemiker ſchon lange, und konnten es darſtellen, indem ſie dasſelbe aus Löſungen auskriſtalliſieren ließen, die Phosphorſäure enthielten. Als man nun im Staßfurter Steinſalze ebenfalls ſolches Kochſalz fand, konnte man ſich die Entſtehung desſelben nicht erklären. Erſt die Auffindung dieſes Minerals giebt den Schlüſſel hierfür.
Ich wies übrigens auch in grauen und blauen Boraciten, die in den letzten Jahren häufig auftraten, Phosphorſäure in Mengen bis zu 0,2 Proz. nach und fand ſpäter, daß dieſer Stoff auch in den meiſten Fabrikprodukten Staßfurts(Rückſtänden, Laugen, Schlämmen u. ſ. w.) nachzuweiſen war. Der Leſer erkennt auch hier wieder die Allgegenwart der Phosphorſäure, von der wir S. 34 ſprachen; ſie findet ſich hier an einer Stelle, an der ſie früher gar nicht vermutet wurde.
Neuerdings wieſen Diehl und Neimke das Vorkommen von Salmiak(Chlorammonium) im Staßfurt⸗Leopoldshaller Salzlager nach und zwar fanden ſie bis zu ¼ Proz. im Carnallit.
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