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Ueber die Abarten der Merinoschafe, ihre Entstehung und Vervollkommnung / von Herrn Thaer
(vorgelesen den 8. März 1816)
Entstehung
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Feinheit und Sanftheit der Wolle ohne Zweifel alle andre Racen in Eu- ropa übertrifft und jetzt entschieden den höchsten Preis auf allen Märkten erhält. Auſser der vorzüglichen ursprünglichen Feinheit ist dieses dadurch bewirkt, dals man in mehreren von ihr abstammenden Schäfereien eine Sorgfalt in der Auswahl der Individuen, wie bis dahin nirgends, anwandte, und dabei immer den Zweck der höchsten Verfeinerung, mit Hintansetzung anderer Qualitäten, vor Augen hatte. Kliphausen, Dahlen, Machern, Roxburg u. m. a. liefern eine Wolle, die bisher nirgends in gleicher Schönheit zu finden war, und die von Roxburg zeichnet sich durch ihre höchste Sanftheit noch vor allen aus, so daſs sie gewissermaſsen eine beson- dere Race constituirt.

In den Oesterreichischen Staaten, besonders nach Mähren, sind schon zu Anfange des vorigen Jahrhunderts, in der Folge aber sehr häufig, von Seiten der Regierung und der Magnaten bedeutende Transporte von Meri- no's aus Spanien geholt und sowohl Kaiserliche als Erzherzogliche und private Stamm-Schäfereien davon angelegt worden. Es hatte sich daselbst aber ein anderes Ideal von Merinoschaf wie in Sachsen gebildet, welches man mit groſser Anstrengung verfolgte und wirklich erreichte. Man sah auf groſsen breiten Körperbau, Vollwolligkeit, Gedrungenheit des Flieſses, starken Fettabsatz in der Wolle, stark bis an die Spitze bewollete Beine und Köpfe, und setzte einen vorzüglichen Werth auf tief herabhangenden- der, auf starke, Wulsten-bildende Hautfalten, besonders um den Hals, die den Thieren, besonders den Widdern, ein auffallendes, rauhes, imponirendes Ansehn gaben. Hiierauf richtete man die Aufmerksamkeit bei dem Ankauf in Spanien und bei der Auswahl der Zuchtsöthre in den Stamm-Schäfereien. Man vernachlässigte dagegen wohl zu sehr die Bücksicht auf höhere Fein- heit und Sanftheit der Wolle, wahrscheinlich in der Meinung, daſs diese bei Merinoschafen ohnehin hoch genug und bei den Leonesischen Racen in Spanien unübertrefflich sey. Daher rührt es, daſs bei den groſsen Anstren- gungen und ungemeinem Aufwande die Wolle aus den vorzüglichsten Oe- sterreichischen Schäfereien bei weitem den Preis nicht erreicht hat, der jetzt für die Sächsische Wolle auf allen Märkten bezahlt wird. Indessen ist es noch nicht entschieden, ob sie durch den stärkern Wollertrag, den ihre Hauptrace giebt, das ersetzen, was ihr am Werthe abgeht. Die Ener-