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Ueber die Abarten der Merinoschafe, ihre Entstehung und Vervollkommnung / von Herrn Thaer
(vorgelesen den 8. März 1816)
Entstehung
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iiber die Abarten der Merinoschafe. 5

ten ihrer Heerden zufrieden gewesen zu seyn, indem sie im Allgemeinen keine Auswahl unter ihren Stöhren machten, obwohl sich bei genauer Be- achtung, auch in der constantesten Race, einer vor dem andern auszeichnet und dann dies Auszeichnende vererbt. Sie lassen alle Widder unverschnit- ten zwischen der Heerde gehen und die Begattung geschehen, wie der Zu- fall es fügt. Daher dann die bedeutende Verschiedenheit der aus Spa- nien nach andern Ländern geholten Stämme.

Ohne mich in eine ausführliche Geschichte der Einführungen der spanischen Merino's in die meisten Europäischen Staaten einzulassen, will ich hier nur einiges, uns zunächst liegendes, das von besonders groſsem Er- folge gewesen ist, erwähnen. Im Jahr 1764 kam eine Heerde nach Sach- sen, die dem Kurfürsten vom Könige von Spanien zum Geschenk gemacht wurde. Sie war wohl eine der ausgesuchtesten und feinwolligsten, die aus spanien gekommen sind, aber nur klein von Statur, gröſstentheils aus der Schäferei von Escurial genommen. Da sie, wie fast alle weit hergeführte Heerden, räudig ankam und man eine groſse Furcht für dieses Uebel hatte, dessen gründliche Heilung man nicht verstand, so ward sie nicht geachtet wie sie es verdiente. Man lieſs jedoch einige Jahre später eine andre Heerde in Spanien ankaufen und überbringen, die aus verschiedenen Schä- fereien herstammte und von stärkerem Körperbau, aber nicht von jener Feinheit und Gleichheit war, und deren Ueberbringer die Behandlung der Räude besser gelernt hatten. Jene erste Heerde muſste der letzteren Platz machen, ward verschiedentlich herumgeführt, und manche Private hatten Gelegenheit, sich aus derselben Thiere zu verschaffen; vor allen der um die Schafzucht so sehr verdiente Finck zu Lösitz, den man wegen der Räude zu Rath zog, und der sich dafür ein Häuflein vorzüglich angegriffener und unheilbar scheinender Thiere ausbat. Dieses Häuflein hat in den Händen des verständigen Mannes vielleicht am meisten zur Verbreitung der veredel- ten Schafzucht im nördlichen Deutschland beigetragen. Nachmals kam der noch übrig gebliebene Stamm der ersten Heerde, aber wohl nicht ganz rein erhalten, nach Lohmen und bildete die daselbst befindliche Stamm- Schäferei. Die zweite Heerde aber ward als Stamm-Schäferei auf den ver- schiedenen Vorwerken des Amts Stolpe aufgestellt. Aus den Abkömmlin- gen beider hat sich die eigenthümliche Sächsische Race gebildet, welche in