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Ueber die Abarten der Merinoschafe, ihre Entstehung und Vervollkommnung / von Herrn Thaer
(vorgelesen den 8. März 1816)
Entstehung
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und sich in ihrer Feinheit erhalte. Aber vor dem verheerenden Kriege hat- ten sich schon in Spanien viele kleine stehende Schäfereien(Estantes) ge- bildet, mehrentheils durch solche Edelleute und Gutsbesitzer, die den gro- ſsen Schäferei-Eigenthümern als Majoralen gedient hatten und Gelegenheit fanden, sich aus den wandernden Heerden einen Stamm anzueignen. Sie muſsten sich aber damit nach auſser dem Bereiche der Mesta liegenden Or- ten hinbegeben. Ein Theil dieser Estantes-Heerden hat durch die gröſsere darauf verwendete Sorgfalt und Auswahl der Individuen eine gröſsere Voll-

kommenheit erreicht, als die besten wandernden Heerden; man muſste sie

aber in den entferntern Gegenden des Reichs mühsam aufsuchen. Die Be- rühmteren fingen schon an, einen sehr hohen Preis auf ihre Thiere

zu sSetzen.

Unter den wandernden Heerden findet eine bedeutende Verschieden- heit statt, in der Qualität der Wolle sowohl, als in der Bildung des Kör- pers und den Formen einzelner Theile. Man unterscheidet zuvörderst die Leoneser-, Segovianer-, Sorianer-, Catalaner- und Extreminos-Heerden. Die Wolle behält diesen Namen im Handel, und der Unterschied des Preises ist bedeutend. Aber auch unter den einzelnen Heerden dieser Hauptstämme ist noch eine groſse Verschiedenheit, vorzüglich unter den Leonesern, die am meisten geschätzt sind. Die groſsen Heerden von Escurial, Infantado, Ne- gretti, Guadaloupe, Paular, Perales u. s. w. haben ihre besondern Eigenhei- ten. Jede Heerde hat ihren eigenthümlichen Stempel, der im Gesichte ein- gebrannt wird, und ich besitze eine Liste vom Jahr 1791, worin 140 Heer- den nach ihren Namen, damaligen Besitzern, Anzahl, Schurertrag, Schurhäu- sern und Stempeln aufgeführt sind. Den Stempel nachzuahmen, würde ein groſses Verbrechen seyn. Da die Verschiedenheit des Werths der Wolle so bedeutend ist, so scheint es fast unerklärbar, warum man nicht die schlech- tern Heerden durch Kreuzung mit Stöhren aus den bessern längst vervoll- kommnet hat, und es ist zweifelhaft, ob man es bloſs der Indolenz oder einem stolzen Eigensinne der Besitzer und ihrer Majoralen zuschreiben soll. Doch mag es auch seyn, daſs Manche durch eine gröſsere Quantität der Wolle das wieder zu gewinnen glauben, was ihr an der Qualität und dem Preise abgeht, wie das gegenwärtig bei uns der Fall ist. Uebrigens schei- nen vormals die Schäferei-Besitzer mit den einmal vorhandenen Eigenschaf-