uber die Abartungen der kultivirten Bflanzen. 19
Pflanze, die sehr räumlich stand, gezählet. Deshalb kann er, sehr weitläuf- tig aber früh auf kräftigen Boden gesäet, ein sehr dichtes Erntefeld bilden. Eigenthümlich ist diesem Roggen eine stärkere Ausdehnung in die
Länge gegen den gewöhnlichen. Sein Halm ist oberhalb des zweiten Kno- tens dünner im Verhältniſs seiner Länge; die Aehre ist bei einer gleichen Anzahl von Körnern länger, weil die Spelzen entfernter stehen, das Korn selbst hat eine gröſsere Länge im Verhäaltniſs seiner Dicke. Dann habe ich ihn daran unterscheiden gelernt, daſs der Halm zwischen dem zweiten und dritten Knoten ein Knie macht, was natürlich von seiner starken Bestau- dung herrührt, welche den Halm anfangs seitwärts treibt. Aber diese ist auch die einzige constante Abart, die ich vom Roggen habe entdecken kön- nen. Was man unter dem Namen von norwegischen, archangelschen und amerikanischen u. a. Roggen gepriesen hat, war immer dieser selbige Stau- denroggen, so wie auch der, den man Johannisroggen nannte.— Eben so gut könnte man Ostern- und Pfingstroggen daraus machen, wenn man ihn um die Zeit säete.
4 Wenn gleich einige Gegenden wegen eines sehr guten Saatroggens in Ruf stehen, so dals man diesen daher kommen lälst und ihn danach be- nennt, so rührt dies doch nur von einem dem Roggen sehr angemessenen Boden, guter Kultur und Behandlung des Saatgetreides her, und der Vorzug dieses Saatkorns verliert sich in den folgenden Generationen bald.
In Ansehung der kultivirten Gerstenarten muſs ich von den Botani-
kern am meisten abweichen. Sie nehmen nur das Fordeurn vulgare, H. di- stichon und H. hexastichon als Species an, und halten II. coeleste und an- dere für Abarten des vulgare und distichon Aber diese unterscheiden sich so wesentlich in ihren Fructificationstheilen in der Gestalt des Korns,(auch in den näheren Bestandtheilen desselben), daſs man sie für besondere spe- cies halten muſs, wogegen ich mehr geneigt bin, das EI. vulgare und das H. hexastichon für bloſse Abarten zu halten. Linné ward ohne Zweifel dadurch verleitet, daſs selbst Ackerbauer einen Uebergang der nackten Gerste in die andere zu bemerken glauben. Es ist aber ein Irrthum, in welchen ich ohne genauere Untersuchung selbst verfallen wäre. Wenn einige Kör- ner des H. coeleste nicht völlig reifen, so behalten sie ihre innere Spelze, und trocknen damit, wie das vulgare, zusammen, bekommen folglich bei- nahe eben die Gestalt. Man braucht aber nur die Hülse abzulösen, so zeigt sich die eigenthümliche Form des H. coeleste.
Physkal. Klasse 1812—1813. D
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