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Ueber die Gesetze der Natur, welche der Landwirth bei der Veredlung seiner Hausthiere und Hervorbringung neuer Rassen beobachtet hat und befolgen muss / Von Herrn Thaer
(Vorgelesen den 11. Juni 1812)
Entstehung
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zung verschiedener Arten zuerst hervorgebracht habe, woraus er aber ein Geheimniſs machte. Nachmals paarte er aber nur in der nächsten Verwandt- schaft, je mehr eine Familie seinem Zwecke entsprach.

Der zweite Veredlungsweg ist die sogenannte Durchkreuzung, und diese unterscheidet sich wiederum in zwei Methoden.

a) Man will durch eine fortgesetzte Zubringung der männlichen

Thiere eines edleren Stammes die mütterlichen Eigenschaften ganz verlö- schen und sie den väterlichen võöllig gleich machen. Diesen Zweck kann man unfehlbar erreichen, wie die Veredlung durch spanische Böcke bei uns augenschcinlich gezeigt hat. Man kann die Grade der fortgepflanzten Ver- edlung a priori berechnen, und dies trifft, an die Erfahrung gehalten, meh- rentheils zu. Wenn zwei Thiere von verschiedenen Raſsen, das männliche A und das weibliche B, gepaart werden, so bringen sie ein Junges C, welches in der Regel gleich viel von der Natur des Vaters und der Mutter hat. Wird dieses weibliche Thier wieder mit einem männlichen von der Ralse A besprungen, so erfolgt ein junges Thier D, welches zwei Theile von A und einen von B hat. Wird dieses wiederum mit A gepaart, so entsteht E, welches drei Theile von A und einen von B hat. Aus der Paarung von E mit A erfolgt F mit vier Theilen von A und einem von B u. s. f. Einige nehmen die Progression noch schneller an und sagen, dals die erste Generation nur die Hälfte von B, die zweite nur ¼, die dritte nur ½, die vierte nur., die fünfte nur l u. s. f. behielte, folglich in der sechsten und siebenten Generation die Natur der Stammmutter bis auf ein unmerkliches verloschen sey, und das Thier als ein völlig reines des väterlichen Stammes angesehen werden könne. Dies ist zwar oft der Fall, und es kommen in der vierten und fünften Generation veredelte Merinos vor, die von der völlig reinen durchaus nicht zu unterscheiden sind, andre aber, bei denen sich die urmütterliche Natur noch deutlich wahrnehmen läſst. Die aufmerksameren Schafzüchter sorgen daher dafür, keinen Widder, wenn er auch in der Gestalt und Wolle dem besten Merino gleichkommt, zuzulassen, falls sie nicht seiner reinen Abkunft aus der Merinoraſse, auch mütterlicher Seits, überzeugt sind, weil man gefunden hat, daſs sonst die mütterliche Natur wenigstens bei Individuen wieder zum Vorschein komme, und überhaupt die ganze Raſse leicht zurückschlagen könne. Deshalb wer- den die Widder aus solchen Schäfereien, von deren reinem Urstamme man

überzeugt ist, so sehr gesucht und andern vorgezogen, welche sie manch-

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