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Niemand bezweifelt es mehr, daß man bei der Ver⸗ groͤßerung des Koͤrpers und der Gewichtsvermehrung des Vließes die Schoͤnheit der Wolle einbuͤße und die hohe Eigenthuͤmlichkeit der Merinoraße alterire.
Dieſes Zuͤchtungsſyſtem, welches durch gewiſſe Zeit⸗ umſtaͤnde beguͤnſtigt ward*), muß nun einem richtigern Platz machen, deſſen Befolgung gebieteriſch von den Zeit⸗ verhaͤltniſſen gefordert wird.
Da es unſere entſchiedene Abſicht war, die Merino⸗ zucht aus dem neuen Geſichtspunkte, worin ſie ſich jetzt ſtellt, zu betrachten, ſo haben wir vor allem eine tiefer eindringende Unterſuchung der Wollqualitaͤten unternehmen muͤſſen, und wir haben uns von ihrer Wichtigkeit um ſo mehr uͤberzeugt, je tiefer wir eindrangen. Wir beeilen
*) Drei Urſachen haben vornaͤmlich das Syſtem der großen Sta⸗ turen und der ſtarken Vließe begruͤndet:
1) Die Concurrenz des Begehrs von Merinowolle, wobei kein erheblicher Unterſchied des Preiſes nach den Graden der hoͤheren Feinheit ſtatt fand. Jetzt aber iſt die Concurrenz des Angebots ſtaͤrker G).
2) Der Vortheil, welchen die Merinozucht abwarf, und der ſo groß war, daß man die ſtaͤrkere Nahrung, welche dieſe Thiere bei der Vergroͤßerung ihres Koͤrpers gebrauchten, nicht in Anſchlag brachte, was aber jetzt von einem verſtändigen Oekonomen gehoͤrig berechnet werden muß.
3) Gewiſſe Schlachtſteuern, die nach Koͤpfen erhoben werden. Man darf hoffen, daß eine erleuchtete Adminiſtration dieſes abaͤn⸗ dern werde.
Anmerk. d. Verf.
(*) Auf unſern Maͤrkten wird zwar ſchon lange ſcharfe Ruͤck⸗ ſicht auf die Qualitaͤt der Wolle, bei der Beſtimmung des Prei⸗ ſes, genommen. Auf den Maͤrkten aber, wo die Concurrenz des Begehrs uͤberwiegend war, z. B. 1818 und 1821, fiel das rich⸗ tige Verhaͤltniß weg und es ward manche ſchlechtere Wolle eben ſo theuer bezahlt, als weit beſſere.
Anmerk. d. Ueberſ.


