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Vergleichende Versuche über Schaaffütterung in Beziehung auf Wollertrag : angestellt auf dem Königlichen Amte Petersberg in den vier Wintern 1821 bis 1825 / von C. Caspari
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ſtaͤnden ſtatt finden, und bin gewiß, daß wenn man von wirklichen Escurials⸗Muͤttern im Durchſchnitt 12 Stein oder gar noch mehr ſcheeren will, dieſelben von der Schur an bis

zur Winteraufſtallung auf der reichlichſten, zu keiner Zeit knappen Weide gehen, und waͤh⸗

rend der Winterfuͤtterung und im folgenden Fruͤhlinge ſtets eben ſo reichlich unterhalten wer⸗

den, kurz ein unausgeſetztes Maſtfutter erhalten muͤſſen. Die gegen die Winterfuͤtte⸗

rung lange Weidezeit muß hier das meiſte thun. Es giebt wirklich Localitaͤten, wo man den

Schaafen eine natuͤrliche oder kuͤnſtliche Maſtweide einraͤumen und ihnen eine gleiche Winter⸗ fuͤtterung bewilligen kann. Ohne erſtere macht ſich letztere niemals bezahlt, die Wolle gelte was ſie wolle. Eine maͤßige Winterfuͤtterung bleibt die vortheilhafteſte, um ſo mehr, wenn das Schaafvieh nur im mittleren Zuſtande oder gar mager zur Aufſtallung kommt. Aeltere Hammel liefern bei gleicher Haltung mit dem Muttervieh bis ½ an Wolle mehr als letzteres, sc. wenn ſie nicht unter 6⸗ und bis eben Sjaͤhrig ſind. Koͤnnen alſo 100 Escurial⸗ Muͤtter 12 Stein Wolle geben, ſo kann man von 100 dergleichen Hammeln 16 bis gar 18 Stein erhalten. Beides bleibt aber gleich ſelten und iſt das Gewoͤhnliche bei jenen 9, 10 bis 11, bei dieſen 12, 13 bis 15 Stein. Die Jaͤhrlinge liefern in der Regel, gut gehalten, ſo viel als die Mutterſchaafe, oder allenfalls einen Stein weniger, Erſtlinge dagegen gewoͤhnlich 1 bis 2 Stein(von 100 Stuͤck) mehr. Sehr gute Escurial⸗Boͤcke habe ich mit 6 Pfd. ge⸗ waſchener Wolle mehrentheils gehabt, ohne ſie beſſer zu halten, als ſtarke Hammel oder Mut⸗ terſchaafe. 2*

2. Wahrnehmungen uͤber Schweiß und Anſehen der Wolle, als Folge der Nahrung der Schaafe.

Nach meinen bisherigen Wahrnehmungen uͤber den Schweiß, der ſich in der Wolle der Schaafe findet, iſt derſelbe, beſonders auch Hinſichts ſeiner Farbe, im Allgemeinen von der Nahrung der Thiere abhaͤngig, und habe ich gefunden, daß er bei ſpaͤrlicher Nahrung in der Regel weiß, bei reichlicherer Nahrung aber nach derem Grade bald mehr, bald weniger gelblich war. Der Schweiß iſt ein Fett, welches aus der Haut und aus den Wollhaͤrchen ausſchwitzt. Deſſen Menge richtet ſich ganz augenſcheinlich nach der Menge und Kraft der vom Vieh ver⸗ zehrten Nahrungsmittel. Bei meinen Verſuchs⸗Fuͤtterungen producirte ich, wie das Vorher⸗ gehende ſchon hie und da nachweiſet, im erſten Jahre(1821 bis 1822), wo ich einige Par⸗

tien Vieh vorzuͤglich kraͤftig naͤhrte, bei eben dieſen den meiſten und gelbſten Schweiß, und in

folgenden Jahren hatten auch immer die Schurze, welche das beſte Futter bekamen, den mei⸗

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