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Vergleichende Versuche über Schaaffütterung in Beziehung auf Wollertrag : angestellt auf dem Königlichen Amte Petersberg in den vier Wintern 1821 bis 1825 / von C. Caspari
Entstehung
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ſten Schweiß, der faſt durchgaͤngig gelblich war. Dagegen war derſelbe bei einer mittleren Haltung der Thiere nicht bedeutend, mehr blaßgelb, und bei den Schurzen, welche ſehr ſpaͤrlich genaͤhrt wurden, in ganz geringer Quantitaͤt vorhanden und durchgehends weiß. So z. B. am auffallendſten im Jahre 1823 bis 1824 bei Schurz Nr. 3. und 4, auch 5.(Seite 32. ꝛc.), und 1825 bei Schurz Nr. 4.

Wenn das Fett der Haut und Wolle eine allgemein weiße Farbe hat und nur im gerin⸗ gen Grade da iſt, ſo erſcheint auch die Wolle in der Regel nicht locker, nicht lang ausgewach⸗ ſen, ſondern feſt und kurz, ſo daß man auch ihre Quantitaͤt ſehr leicht falſch beurtheilt. Dann pflegt auch die Haut der Thiere ſehr wenig roͤthlich zu erſcheinen, gleichſam wie bei ungeſun⸗ dem Vieh, daher man auch auf die Geſundheit gar leicht falſch ſchließt.

Iſt das Fett der Wolle in anſehnlicher Menge vorhanden(und dann faſt immer gelb), ſo dringt es ganz nach Außen(zur Spitze der Wollhaͤrchen) vor, macht, daß ſich Staub und Schmutz leichter anhaͤngt und giebt den Thieren, oder vielmehr ihrer Wolle, aͤußerlich ein ſchwaͤrzliches Anſehn. Dies laͤßt denn mit Recht auf ihre gute Haltung ſchließen, weil es ſich bei ſchlecht genaͤhrten Thieren nicht findet. Gemaͤſtetes Vieh iſt zuweilen ganz ſchwarz, blos Folge von vielem Schweiß und angehaͤngtem Schmutz. Deſſen ungeachtet erſcheint die Wolle auf dem Leibe bei kurzgeſtapelten, gedraͤngtwolligen Thieren ſchoͤn weiß, oder vielmehr ſchoͤn gelblich; bei gedehntwolligen Thieren erhaͤlt ſie ſich aber nicht ſo ſchoͤn, weil der Pelz nicht ſo geſchloſſen iſt als bei erſteren, und alſo den Staub mehr einlaͤßt. Die Negrettis, welche ſich ſtets beſſer fuͤttern als Escurials, haben eben deswegen mehr Schweiß in der Wolle, ſehen aber daher aͤußerlich oft ganz ſchwarz aus(wie die Escurials ſehr ſelten) und ihren Schweiß fand ich immer ſehr gelblich. Man haͤlt ſie eben deswegen oft fuͤr wollreicher, als ſie wirk⸗ lich ſind, weil unter ſolchen Umſtaͤnden die Wolle locker, hoch gewachſen erſcheint und dies ihr Anſehn leicht taͤuſcht.

Man iſt verſucht, Thiere fuͤr wollreich zu halten, wenn man in ihrer Wolle vielen gelben Schweiß und die Haut roͤthlich findet, wenn dabei die Wolle aͤußerlich ſchwaͤrzlich ausſieht und ſich inwendig locker und weich anfuͤhlt und gut gewachſen erſcheint(die Schaͤfer ſagen: die Wolle ſteht gut, friſch). Findet hiervon das Gegentheil ſtatt, ſo haͤlt man die Thiere leicht für wollarm. Es ſind aber Schluͤſſe aus jenen Merkmalen ſehr truͤglich, wie ich vielmals wahrzunehmen Gelegenheit hatte, vornaͤmlich bei meinen verſuchsweiſe angeſtellten Fuͤtterungen. Meine am kraͤftigſten genaͤhrten Schurze(die Nummern 1. auch 2. ꝛc.) ſchienen jedesmal viel mehr Wolle zu tragen als die ſchlechter Gehaltenen, und dies ſprach jedes Jahr Jeder aus, der ſie ſah; dennoch fand ſich bei jeder Schur, daß ſie nur wenig mehr hatten als die letztern, und dies Wenige nicht zu bemerken geweſen waͤre, wenn man nicht aus oben angegebenen truͤglichen Zeichen darauf geſchloſſen haͤtte. Sehr oft habe ich gefunden, daß Partien von 10 und 20 Stuͤck Schaafen, deren Wolle nicht herausgewachſen, nicht locker war(bdie feſt ſaß, ſitzen geblieben, wie man ſagt), davon dem Gewichte nach eben ſo viel trugen, als andere