Teil eines Werkes 
[Hauptbd.] (1834) Vorlesungen für Pferde-Liebhaber. [Hauptbd.]
Entstehung
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Pah. XIX. big. 23, 25

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versetzt werden können. Die Untersughung eines stätigen Pferds muss mit Be- rücksichtigung aller Verhältnisse geschehen, da es so viele Grade dieses Fehlers gibt, und er so leicht durch äussere Einwirkungen vermehrt oder vermindert werden kann.

Auf gleiche Weise würde ein bedeutender Grad von Scheue sich zum Hauptmangel eignen, da es z. B. auf Märkten u. dgl. dem Verkäufer leicht wird, diejenigen Gegenstände zu vermeiden, von welchen er weiss, dass sie sein Pferd scheu machen.

Der Scheue liegt Furchtsamkeit zu Grunde, in deren Folge es sich sträubt weiter zu gehen u. s. w. Obgleich hiebei weniger Gefahr für den Besitzer ist, als bei der Stätigkeit, so kann dieser Fehler doch den Gebrauch und somit den Werth des Thiers sehr beeinträchtigen. Bei der Untersuchung scheuer Pferde ist eine besondere Aufmerksamkeit auf die Augen und Ohren des Thiers zu rich- ten, da manchmal die Furchtsamkeit ihren Grund in undeutlichem Sehen oder Hören hat. Es wird auch hier schwierig zu bestimmen seyn, welcher Grad von Scheue zugegen seyn muss, um die Rückgabe des Thiers zu begründen.

Der schwarze Staar gilt mit Recht als Hauptmangel, denn diese Augen- Krankheit ist schwicrig zu erkennen, langwierig und beinahe immer unheilbar. Das vom schwarzen Staar befallene Auge behält seine Durchsichtigkeit völlig, es ist nirgends trübe oder sonst krankhaft verändert, empfindet aber den Eindruck des Lichts nicht, wegen Lähmung des Sehnerven(vgl. pag. 69)· Da der schwarze Staar manchmal schnell entsteht, so sollte die Gewährzeit für diese Krankheit auch nur wenige Tage betragen

Auch beim Koppen ist die Gewährzeit möglichst kurz anzusetzen, da ein Pferd diese Unart in wenigen Tagen lernen kann; in den meisten Fällen ist das Koppen an den Zähnen leicht zu erkennen(pag. 210), es ist also Un- achtsamkeit von Seiten des Kaufers, wenn er ées nicht bemerkt.

lanche Gesetze haben die Lungen- und Leberfäule unter die Haupt- mängel aufgenommen; es ist richtig, dass veraltete Lungenleiden und organische Destructionen der Lunge, Leber u. s. w. von aussen zu erkennen meist unmög- lich ist, und dass sie dem Thier einen grossen Theil seines Werths benehmen, zndem sie seine Lebensdauer abkürzen. So sind also Lungen, welche als Folge früher überstandener Krankheiten Knoten, Verhärtungen, Eitersäcke enthalten, oder welche durch feste, sehnenartige Ausschwitzungen mit dem Rippenfell ver- wachsen sind, vorzugsweise und selbst bei mässigem Gebrauche leicht zu er- kranken geneigt, die Krankheit macht in dem vorher zerrütteten Organ schnelle Fortschritte, und zieht leicht den Tod nach sich. Auf der andern Seite aber ist zu berücksichtigen, dass eine zu starke Anstrengung des Thiers, Erkältung u s. W. schnell in dem gesundesten Thier Lungen-Entzündung hervorbringen kann, die unter ungünstigen Umständen mit Ausschwitzung gerinnbarer Lymphe, Ver

.. r 3 7 frärtung, Eiterung, W asser-Erguss oder Brand endigen, und dadurch den Tod