Teil eines Werkes 
[Hauptbd.] (1834) Vorlesungen für Pferde-Liebhaber. [Hauptbd.]
Entstehung
Einzelbild herunterladen

- 28

Obgleich die, jetzt noch bewunderten, Meisterstiicke der bildenden Kunst Griechenlands und Italiens auf jene zuerst erwähnte Weise entstanden sind, so dürfte doch, bei allenfallsiger Abstimmung, die Majorität der Pferdeliebhaber sich an die zuletzt geäufserten Ansichten, als die mehr praktischen, anschlieſsen, und zwar um so mehr, als die vorhandenen Normalpferde, wie wir gleich sehen werden, noch weit entfernt sind, als Ideale der Pferde-Schönheit gelten zu können.

Das von Bourgelat in Verbindung mit den Künstlern Goiffon und Vincent entworfene Normalpferd ist Tab. II. nachgebildet*). Man wirft demselben im Allgemeinen vor, daſs die Verhältnifsmaalse nicht nach der Natur seyen und auf keine Raçe passen, insbesondere aber: daſs der Kopf zu lang, der Hals gewalt- sam aufwärts gebogen und zu kurz sey, so dals ein solches Thier mit den Lip- pen unmöglich den Boden erreichen könnte, ferner daſs der Widerrüst zu hoch (oder eigentlich zu weit vorne angenommen) sey u. s. w. Was das von Vin- cent eingezeichnete Skelet betrifft, so ist die Wirbelsäule wagrecht, statt vorne tief herabgebogen, die Dornfortsätze der ersten Rückenwirbel stehen senkrecht, statt rückwärts geneigt, der Winkel des Schulterblatts mit der Horizontallinie ist zu grols(60°), und die Hinterfüſse sind zu sehr unter den Leib gestellt. So wahr diese Einwürfe sind, so beweisen sie doch blos, daſs Bourgelat nicht die richtigen Proportionen überall angegeben habe, daſs man diese Fehler also abändern müsse, keineswegs aber, dals man gar keine Verhältniſsmaaſse aufstel- len dürfe. Mit dieser Rücksicht sind in der Folge die Verhältnisse der einzel- nen Theile zum Ganzen(meist nach Bourgelat und Viborg) angeführt, und es ist dabei nur zu bemerken, daſs eine unbedeutende Abweichung davon ein Pferd weder hässlich noch fehlerhaft mache, dass aber ein auffallendes Missverhältniss nicht anders als gegen die Schönheit und meist auch gegen die Brauchbarkeit des Thiers anstossen werde.

Ein anderes Musterpferd entwarf Saintbel*r*) nach dem berühmten Wett- renner Eclipse. Bei diesem ist der Kopf zu kurz, nehmlich nur ⁰½1 der Körper-

*) s. Bourgelat traité de la conform. ext. du cheval. Die ausführliche Abhandlung über die Verhältnisse des Pferds führt den Titel: Mémoire artificielle des principes relatifs à la fidèle répresentation des animaux, tant en peinture qu'en sculpture. Ire partie concernant le cheval. Par feu Mr. Goiffon et Vincent. Alfort 1779. fol. mit 23 Kupfertafeln. Auch im Auszug: Extrait de la mémoire artif. etc. troi- sième lettre à Mr. Bachelier, peintre du Roi. Paris 1786. 8. mit 6 Rupfertafeln. Uebrigens hatten schon im 16. Jahrhundert italienische Bereiter Proportionen für das Pferd angegeben, wie Corte von Pavia 1562, Grisone von Neapel 1565; palmieri von Florenz 1625. u. A.

**.) Vial de Saintbel, elements of the veterinary Art. London 1797. Dasselbe mit et- was weniger geometrischen Linien nnd Zirkeln bei: Feron, a new system fariery. London 1803.