Teil eines Werkes 
[Hauptbd.] (1834) Vorlesungen für Pferde-Liebhaber. [Hauptbd.]
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Erik Viborg's WerkchenHestens Ydrelaere, Kiöbenhavn 1821 enthält eine

Menge schätzbarer Beobachtungen; es ist aber sehr kurz abgefalst und auf münd- liche Ergänzung des Fehlenden berechnet; diese Unvollkommenheit wird hinrei- chend durch das langwierige Krankenlager des berühmten(1822 gestorbenen) Verfassers entschuldigt.

In das Extérieur des Pferds gehört die Betrachtung seiner Vollkommenhei- ten und Fehler sowohl im Ganzen als im Einzelnen, ihr Einfluſs auf den Ge- brauch des Thiers, ferner die Farbe und Abzeichen und die Kenntniſs des Al- ters. Zwar hat man die Wartung und Pflege(Diätetik) und die Zucht der Pferde oft als einen Theil des Extérieurs behandelt, allein diese beiden Zweige scheinen mir zu wichtig, um so nebenbei abgemacht werden zu dürfen.

Die bloſse Kenntnils der äufsern Theile des Pferds und ihrer Verschieden- heiten u. s. w. genügt dei dem jetzigen Stande der Wissenschaften nicht mehr; man muls tiefer gehen und die Kenntniſs des inneren Baues jener Theile(oder die Anatomie) zu Erklärung ihrer Güte oder Untauglichkeit benützen; ebenso finden allgemeine Grundsätze der Mechanik hier ihre Anwendung. Zur gründ- lichen Erklärung der Formen des Pferds sind also, neben einiger Bekanntschaft mit der Mechanik, hauptsächlich anatomische Kenntnisse nöthig; bei der selte- nen Gelegenheit sich diese zu erwerben, kann nun eine besondere Beachtung der inneren Structur, wie sie in dem Folgenden statt findet, dem denkenden 1 Pferdeliebhaber nicht anders als erwünscht seyn. 1

Die Güte eines Pferds läſst sich cines Theils aus dem Bau seiner Theile und ihrem richtigen Verhältnils zu einander beurtheilen; andern Theils aber hängt sie von dem Innern der Maschine, der Constitution und dem Temperament des Thiers, oder mit Einem Wort, von den Kräften ab, welche blos durch den Gebrauch zu prüfen sind. Die Schönhcit bezicht sich einzig auf das Aeu- ſGsere, nehmlich auf die Uebereinstimmung der Theile unter sich zum Ganzen; sie kann durch blofse Betrachtung empfunden und beurtheilt werden. Die Kunst- verständigen sind hierüber getheilter Meinung; die Einen behaupten: es mülse bestimmte Verhältnisse geben, welche die einzelnen Theile eines Pferds haben müssen, um schön zu seyn; hiebei soll von gewissen Regeln ausgegangen, und nach denselben die Schönheit der Pferde überhaupt beurtheilt werden; da es nun kein absolut schönes Pferd gebe, so müssen diese Verhältnisse auf collective Weise(also von verschiedenen Thieren, von jedem die vorzüglichste Parthie) zusammen getragen werden und auf solche Weise ein Normalpferd(Ideal oder Typus der Pferdeschönheit) entstehen.*

Die Gegner dieser Ansicht stellen den Satz auf: daſs die Schönheit etwas relatives sey, und dem Einen dieses, dem Andern Jenes gefalle; dass die Schön- heit in der Güte oder Brauchbarkeit des Thiers gegriindet seyn, und somit für

den verschiedenen Gebrauch der Pferde auch verschiedene Proportionen ange- einem Last-Wagen-Pferd und einem

nommen werden müssen, indem man bei Renner nicht gleiche Verhältnisse der Theile verlangen dürfe.

4

*